Nachhaltigkeit im Porträt: Ikea

03.02.2015 – Elf grüne Prüfsteine für Billy & Co.

Geschlossene Wertstoffkreisläufe, weniger Bauteile, Flagship Stores – die Möbelhauskette Ikea will sich bis 2020 als nachhaltige Marke positionieren.
Nachhaltigkeit im Porträt: Ikea

Elf grüne Prüfsteine für Billy & Co.

03.02.2015 – Möbelhaus der Superlative: Mit 318 Filialen in 28 Ländern ist Ikea die größte Haushaltsmöbelmarke der Welt, wichtigster Markt ist Deutschland. Regelmäßig wählen die deutschen Verbraucher Ikea zum beliebtesten Einrichtungshaus – doch als nachhaltig nehmen es nur wenige wahr. Das will das 1943 gegründete Unternehmen mit einer umfassenden Nachhaltigkeitsstrategie ändern. Best Practices reichen von geschlossenen Wertstoffkreisläufen bis zum Aufbau eines Flagship Stores. Verstärkt nimmt der Konzern auch seine Produktdesigner und Lieferanten in die Pflicht.

„People & Planet Positive“ heißt die Strategie, mit der Ikea sein Geschäft ganzheitlich auf „grün“ trimmen will. Nachhaltigkeitskoordinator der IKEA Deutschland GmbH Martin Schupp erklärt: „Aufgrund seiner Struktur und der großen Produktionsmengen kann Ikea die gesamte Supply Chain beeinflussen, also dafür sorgen, dass die Produkte zu rundweg verantwortungsvollen Bedingungen hergestellt werden. Ein Ziel ist in diesem Rahmen, einen positiven Einfluss auf den Rohstoffhaushalt der Erde zu nehmen und zugleich dafür zu sorgen, dass stets genügend Material für neue Produkte zur Verfügung steht.“

Elf-Punkte-System für Nachhaltigkeit

Um die Öko- und Ressourceneffizienz des Sortiments zu verbessern, nutzt Ikea die so genannte „Sustainability Scorecard“: Elf Prüfsteine für Nachhaltigkeit umfasst die Checkliste, mit deren Hilfe alle Ikea-Artikel bewertet werden. Die Idee: Jedes Produkt muss in seiner nächsten Generation eine höhere Punktzahl auf der Scorecard erreichen als das Vorgängermodell. Erst dann ist es für die Produktion freigegeben. Die Kriterien – deren Details allerdings nicht veröffentlicht werden – reichen von „erneuerbare oder recycelte Materialien nutzen“ über „Recycelbarkeit gewährleisten“ bis zu „Transporteffizienz sichern“.

Beispiel für ein solch optimiertes Produkt ist eine klassische Ikea-Stehlampe: „Von 33 Einzelbauteilen konnten unsere Produktdesigner ganze 24 abschaffen. Dadurch sank das Verpackungsgewicht um 28 Prozent, und jetzt passen 128 statt 80 Leuchten auf eine Palette“, erklärt Martin Schupp. Der Effekt: leichtere Montage, verbesserte Recycelbarkeit und reduzierter Treibhausgas-Ausstoß. Bis zum Jahr 2020 will Ikea 90 Prozent der Verkaufserlöse aus nachhaltig optimierten Produkten erzielen.

Wertstoffe, effizient getrennt

Innovative Wege beschreitet Ikea auch mit seiner Wertstoffsammlung. Bereits seit mehreren Jahren werden verschiedene Abfall-Fraktionen in den Filialen getrennt gesammelt und einer Verwertung zugeführt. „Für ein Produkt konnten wir nun den Kreislauf schließen“, so Schupp. „Dabei leiten wir einen Teil unserer Altkunststoffe direkt an unseren Produzenten weiter, wo sie zu einer Ikea-Schreibtischunterlage verarbeitet werden. Über unser eigenes Distributionszentrum gelangt das Produkt dann direkt zurück in unsere Einrichtungshäuser.“ Seit Januar ist die Schreibtischunterlage, die zu rund 60 Prozent aus Ikea-eigenen Kunststoffabfällen besteht, im Verkauf.

Vor knapp fünf Jahren hat Ikea in Deutschland zudem sein Wertstoffmanagement zentralisiert. Entstanden ist ein Entsorgungskonzept für alle 48 Einrichtungshäuser: Bis zu 20 Abfall-Fraktionen pro Filiale werden seither sortiert und zum Teil mit neu installierter Technik in Ballen gepresst. „Das nutzt natürlich nicht nur der Natur, sondern auch uns, denn wir können die Wertstoffe recyceln oder weitervermarkten“, sagt Martin Schupp. Ein Konzept, das Schule macht: Inzwischen wird die Erfassung der Wertstoffe konzernweit optimiert.

Ressourcenunabhängigkeit 2020

Recycelt, recycelbar oder erneuerbar – das soll bereits ab August 2015 für alle Materialien der Einrichtungsartikel gelten, verspricht Ikea. Weitere Meilensteine sind für 2020 geplant: Spätestens dann will der Konzern energieunabhängig sein und mehr regenerative Energien produzieren als verbrauchen. „Wir sind auf einem guten Weg, dieses Ziel auch zu erreichen. Bis Ende 2015 wird der Ikea-Konzern 1,5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investieren“, so der Ikea-Nachhaltigkeitskoordinator. „Ressourcenunabhängigkeit ist eine größere Aufgabe, aber auch die sollte uns bis 2020 gelingen. Dann will Ikea nur noch Recycling-Holz oder Holz aus FSC-zertifiziertem Bestand für die Produktion verwenden.“

Der ganzheitliche Ansatz von Ikea spiegelt sich auch im „More sustainable Store“-Pilotprojekt in Kaarst wider. „Mit dem neuen Möbelhaus wollen wir Standards setzen und ganz neue Dinge ausprobieren“, erklärt Martin Schupp. Neben einem grünen Dach-Café und alternativen Heiztechniken ist geplant, das Haus zu einem sozialen Treffpunkt zu machen. Kooperationen mit lokalen Händlern und Vereinen wie beispielsweise Biobauern oder Schulen und Kindergärten sind ebenso vorgesehen wie mehr Tageslicht im Innenbereich, das die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen soll. Die Filiale eröffnet voraussichtlich im Geschäftsjahr 2017.

Bei allen Projekten, die Nachhaltigkeit betreffen, behält Martin Schupp stets einen Blick auf die Wahrnehmung der Verbraucher: „Wir kommunizieren unsere Leistung in Sachen Nachhaltigkeit noch nicht deutlich genug an unsere Kunden.“ Das Unternehmen verzichtet bewusst auf externe Labels wie das FSC-Siegel, denn: Das Ikea-Logo selbst soll gleichermaßen für Qualität, Design, Sozialstandards und Ressourcenschonung stehen. „Das in den Köpfen der Kunden zu verankern braucht Zeit – und ist aktuell unsere größte kommunikative Herausforderung.“ (KR)

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