Serie: Nachhaltigkeit ist Chefsache

„100 Millionen für eine nachhaltige Flotte“

Serie "Nachhaltigkeit ist Chefsache": Dr. Monika Griefahn, Umweltdirektorin bei AIDA Cruises, über Wertstoffkreisläufe und Klimaschutz in der Kreuzfahrt.
Serie: Nachhaltigkeit ist Chefsache

23.07.2014 – Was tut ein global aktives Unternehmen, um den Nachhaltigkeitsgedanken mit Leben zu füllen? Für den Kreuzfahrtenanbieter AIDA, der pro Jahr rund 760.000 Passagiere bewegt, gehören dazu vor allem innovative Klimaschutztechnologien und eine recycelbare Ausstattung – das erklärt Dr. Monika Griefahn, Direktorin für Umwelt und Gesellschaft bei AIDA Cruises. Um zukunftsfähig zu bleiben, hat das Unternehmen im vergangenen Jahr ein Investitionspaket von 100 Millionen Euro verabschiedet. So gelingt es der Kreuzfahrtflotte, sich als Vorreiter der Branche in puncto Nachhaltigkeit zu behaupten.

Frau Dr. Griefahn, welche Rolle spielen geschlossene Wertstoffkreisläufe für AIDA Cruises?
Monika Griefahn: Zu unserem Nachhaltigkeitskonzept gehört neben technischer Effizienz auch die Strategie der umfassenden Qualität. Das bedeutet, dass wir bei all unseren Entscheidungen das große Ganze im Blick haben, nicht nur den Geschäftserfolg, sondern auch den Umweltschutz, das Wohl der Gesellschaft sowie zufriedene Gäste und Partner. So nutzen wir Ressourcen effektiv und führen sie wo immer möglich in technische und biologische Kreisläufe zurück. Nach dem Vorbild der Natur sollen möglichst alle Produkte eines Stoffwechselprozesses für einen anderen Prozess wiederverwertet werden. So wird die Entstehung tatsächlicher Abfallprodukte auf ein Minimum reduziert.

Ein Beispiel: In den Crew-Kabinen unserer Schiffe verlegen wir im Rahmen der Werftzeiten seit 2013 nach und nach neue Teppiche, die unseren Anforderungen an nachhaltige Produkte aus der Kreislaufwirtschaft entsprechen. Sie werden aus umweltfreundlichen und recyclingfähigen Materialien gefertigt. Zudem sind sie von der Herstellung bis zum Recycling gesundheitlich unbedenklich, enthalten also keine Bestandteile oder Substanzen, die bei der Verarbeitung oder Nutzung schädliche Stoffe, etwa reizende Chemikalien, abgeben.

Auf unserem Neubau AIDAprima gehen wir sogar noch einen Schritt weiter. AIDAprima wird in allen Passagier- und Crewbereichen, auf einer Fläche von insgesamt knapp 64.000 Quadratmetern, mit umweltfreundlichen und recycelfähigen Teppichböden ausgestattet. Diese sind gefertigt aus natürlichen und nachwachsenden Rohstoffen, zum größten Teil bestehen sie aus Schafswolle. Zudem erfüllen die Teppiche die strengen Normen des Programms Green Label Plus des Carpet and Rug Institute. Wenn die Teppiche ihren ersten Lebenszyklus an Bord von AIDAprima beendet haben, werden sie im Rahmen eines exklusiven Take Back-Programms zurückgenommen. Dieses Programm wird weiterentwickelt, so dass die gebrauchten Teppiche der gesamten AIDA Flotte nach ihrem Austausch wiederverwendet werden und als Teppichunterlagen zum Einsatz kommen.

Langfristig wollen wir alle bislang von AIDA genutzten Produkte wie Möbel, Berufskleidung oder Lebensmittel nach und nach auf ihre Rückführbarkeit in biologische und technische Kreisläufe prüfen und gegebenenfalls anpassen oder ersetzen.

Wie stellen Sie für AIDA Cruises ein Höchstmaß an Energie- und Ressourcenschonung sicher?
Monika Griefahn: Umweltschutz hat für AIDA höchste Priorität und ist fest in unserer Unternehmensphilosophie verankert. Wir wollen unseren Gästen und auch den kommenden Generationen die schönsten Orte der Welt zeigen. Unser Credo ist: Die beste Tonne Treibstoff ist die, die man gar nicht erst verbraucht. Daher investieren wir viel in Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und neue Technologien. Einen Meilenstein setzte AIDA Cruises im August 2013 mit der Verabschiedung eines Investitionsprogramms in modernste Umwelttechnologie in Höhe von 100 Millionen Euro. Kernstück des Programms ist die Installation eines umfassenden Systems zur Abgasnachbehandlung auf den AIDA Neubauten 2015 und 2016 sowie die Nachrüstung der bestehenden AIDA Flotte. Dank dieser innovativen Technologie werden die Emissionen von Rußpartikeln, Stickoxiden und Schwefeloxiden um 90 bis 99 Prozent reduziert sowie Kohlenmonoxid und unverbrannte Kohlenwasserstoffe gefiltert.

Darüber hinaus setzt AIDA Cruises auf weitere innovative Konzepte, um die Emissionen während der Hafenliegezeiten zu reduzieren. AIDAsol wurde 2013 als erstes Schiff der Flotte komplett für Landstrom ausgerüstet. Die weltweit erste LNG Hybrid Barge zur nahezu emissionsfreien Energieversorgung von AIDA Schiffen wird im Sommer 2014 im Hamburger Hafen in Betrieb genommen. Für diesen Beitrag zum Emissionsschutz wurden AIDA Cruises und Becker Marine Systems mit dem „Baltic Sea Clean Maritime Award 2013“ ausgezeichnet.

Außerdem wird auf unseren Neubauten 2015/2016 erstmals auf einem Kreuzfahrtschiff die sogenannte MALS-Technologie zum Einsatz kommen, die Schiffe auf einem Luftblasen-Teppich gleiten lässt und den Treibstoffverbrauch um weitere sieben Prozent reduziert.

Unser Umweltengagement ist jedoch viel umfassender. Alles lässt sich in Kürze gar nicht darstellen, aber zu den wichtigsten Punkten zählen hier unsere Bioklärwerke an Bord, innovative Wärmerückgewinnungssysteme, nahezu hundertprozentige Mülltrennung, Energiesparlampen und LED für den Hotelbetrieb. Das ist aber natürlich nur eine kleine Auswahl an Initiativen. Wer sich für weitere Informationen zu unserem Engagement für Umwelt und Gesellschaft interessiert, kann sich in unserem jährlichen Nachhaltigkeitsbericht AIDA cares umfassend informieren.

Ein Blick voraus auf das Jahr 2020: Welchen Meilenstein wird AIDA Cruises in puncto Recycling und Ressourceneffizienz erreicht haben?
Monika Griefahn: Ich kann natürlich nicht in die Kristallkugel schauen, aber mein Ziel ist es, dass sich unsere innovativen Pilotprojekte erfolgreich etablieren können und wir mit diesen und weiteren, neuen Initiativen auch weiterhin wichtige Impulse setzen können, um Kreuzfahrten nachhaltiger zu machen. Neben einer umfassenden Senkung unserer Emissionen durch den Einbau von Filtersystemen und der Nutzung von Flüssiggas zählt dazu auch die Nutzung modernster Technologien zur Steigerung der Energieeffizienz an Bord. AIDA Cruises ist in dieser Hinsicht heute Vorreiter der Branche und hat eine der modernsten Flotten der Welt. Diesem Anspruch wollen wir auch in Zukunft gerecht werden. Ein Kreuzfahrtschiff ist vergleichbar mit einer Kleinstadt auf dem Wasser. Insofern stehen uns viele Hebel zur Verfügung, die wir nutzen können und möchten, unter anderem durch den Einsatz der neuesten verfügbaren Technik, Prozessoptimierungen im Hotelbereich, nachhaltige Beschaffung und vieles mehr.

Frau Griefahn, vielen Dank für das Gespräch. (KR)

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(Foto: AIDA Cruises)


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