4. Interseroh-Kongress in Köln

Nachhaltigkeitsstrategien sinnvoll umgesetzt

Eine Nachhaltigkeitsstrategie ist weit mehr als so genanntes ‚Greenwashing’ – richtig geplant und umgesetzt bietet sie Unternehmen mittel- und langfristig eine gute Grundlage, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. Dies war der Grundtenor des vierten Interseroh-Kongresses im Hyatt-Regency-Hotel am Kölner Rheinufer, zu dem sich rund 130 Teilnehmer am 26. Oktober einfanden. Redner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bereiteten den Rahmen für einen regen Austausch zwischen den Anwesenden.
4. Interseroh-Kongress in Köln

02.11.2010 – Eine Nachhaltigkeitsstrategie ist weit mehr als so genanntes ‚Greenwashing’ – richtig geplant und umgesetzt bietet sie Unternehmen mittel- und langfristig eine gute Grundlage, um für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet zu sein. Dies war der Grundtenor des vierten Interseroh-Kongresses im Hyatt-Regency-Hotel am Kölner Rheinufer, zu dem sich rund 130 Teilnehmer am 26. Oktober einfanden. Redner aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik bereiteten den Rahmen für einen regen Austausch zwischen den Anwesenden.

Interseroh-Vorstand Roland Stroese ging in seiner Begrüßung auf die zunehmende Bedeutung des Konzepts der Nachhaltigkeit ein: Er griff den Titel der diesjährigen Veranstaltung „Nachhaltigkeitsstrategien sinnvoll umgesetzt – echter Mehrwert anstatt reiner PR-Gag!“ auf und betonte die Notwendigkeit für Unternehmen, sich in Zeiten knapper werdender Rohstoffvorkommen, einer weltweit zunehmenden Bevölkerung sowie des demografischen Wandels in den Industrienationen ernsthaft mit dem Thema auseinanderzusetzen.
Der gleichen Ansicht waren die Referenten Christian Geßner und Axel Kölle, Mitglieder des Zentrums für nachhaltige Unternehmensführung (ZNU) an der Privat-Universität Witten-Herdecke. Sie zeigten die Grundprobleme auf, weswegen deutsche Unternehmen ihren Mitbewerbern aus dem anglo-amerikanischen Raum momentan noch hinterher hinken: Zu allererst sei die Bedeutung von Nachhaltigkeit noch längst nicht in allen Unternehmensführungen angekommen, dementsprechend seien Kompetenzen auf diesem Gebiet unterentwickelt. Und nicht zuletzt verstünden viele Firmen den Begriff noch nicht als das, was er – erfolgreich angewendet – sein könne: eine Dachstrategie für das gesamte Unternehmen. Mit dem Verwenden von Energiesparlampen oder dem Einsatz von Recyclingpapier sei es noch lange nicht getan. Denn leider fokussierten die meisten Unternehmen immer noch auf eine kurzfristige Gewinnmaximierung, anstatt eine mittel- und langfristig „gesunde“ Rendite anzustreben. Entschließe man sich, sein Unternehmen nachhaltig auszurichten, sind die Tipps der beiden Wissenschaftler auf den ersten Blick relativ banal: Alle Unternehmensebenen sollten in Sachen Nachhaltigkeit mit einbezogen werden, vor allem dürften die Mitarbeiter als wichtigste Anspruchsgruppen nicht vernachlässigt werden. Axel Kölle fasste es in seinem Fazit treffend zusammen: „Erst denken, dann handeln, dann kommunizieren!“ Denn „die richtige Umsetzung einer Nachhaltigkeitsstrategie ist weit mehr als Imagepflege oder eine rein ökologische Betrachtung, sondern vielmehr ein echter Wettbewerbsvorteil in einem zunehmend umkämpften Markt.“

Anwendungsbeispiele aus Unternehmen

Die beiden nachfolgenden Referenten zeigten in ihren Vorträgen auf, warum sie in ihren Betrieben Wert auf eine nachhaltige Unternehmensstrategie legen, welche Maßnahmen sie bereits implementiert und welche Vorteile diese ihnen bislang gebracht hätten.
Als erster stellte René Große-Vehne, Geschäftsführer der mittelständischen Spedition Große-Vehne Trucknet, die Herausforderungen vor, die sein Unternehmen in dem hart umkämpften Markt zu bewältigen habe: die Auswirkungen des demografischen Wandels zu meistern sowie auch in Zukunft konkurrenzfähig zu bleiben. Dabei lege sein Unternehmen vor allem Wert auf die Gewinnung von neuen, qualifizierten Mitarbeitern sowie die Erhaltung der Arbeitskraft der bereits existierenden Mitarbeiter. Denn die Speditionsbranche habe bereits jetzt große Probleme, jungen Fahrernachwuchs zu rekrutieren. Die erfahrenen Fahrer dagegen hätten oft gesundheitliche Probleme, denen es durch Vorbeugungsmaßnahmen zu begegnen gelte. Aber auch wirtschaftliche und ökologische Aspekte seien Teil der unternehmerischen Nachhaltigkeitsstrategie: So beteilige sich das Unternehmen an Projekten zum Einsatz von neuen Technologien, um gezielt Energie einzusparen sowie Umweltbelastungen zu verringern. Zudem werde das Qualitätsmanagement weiter ausgebaut, um die Bedürfnisse des Marktes besser bedienen zu können. René Große-Vehnes Fazit lautet: „Die Nachhaltigkeit ist für uns ein langfristiges, strategisches Ziel, da sie die wichtigsten Faktoren der Zukunft – Ökologie und Soziales – unter der Berücksichtigung der wirtschaftlichen Interessen betrachtet.“ Damit diese Strategie letztendlich erfolgreich sei, müssten diese drei Aspekte allerdings stets im Einklang stehen, um nicht nur die volkswirtschaftlichen, sondern auch die betriebswirtschaftlichen Interessen nachhaltig zu sichern.

Die drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales ergänzte der nächste Redner, Michael Raß, Geschäftsführer der Teutoburger Ölmühle, um eine in der Lebensmittelbranche wichtige, vierte Komponente: der gesundheitlichen Verantwortung. Die Berücksichtigung dieser vier Komponenten habe ihm bei der Unternehmensgründung vor zehn Jahren dabei geholfen, bereits nach zwei Jahren Markttätigkeit schwarze Zahlen zu schreiben. Für ihn sei der Fokus auf Nachhaltigkeit ein echter Mehrwert statt lediglich eine Marketingstory. Nicht nur habe er aufgrund seiner Unternehmensstrategie bundesweit kostenlose PR-Aufmerksamkeit dank zahlreicher Auszeichnungen für Energiekonzept, Produktqualität und unternehmerischen Erfolg erhalten – mittlerweile sei die Teutoburger Ölmühle ein gefragter Arbeitgeber im Münsterland, der in den vergangenen sieben Jahren 75 neue Arbeitsplätze geschaffen habe. Zudem sei sein Unternehmen ein attraktiver Geschäftspartner für Landwirte, Handel und Industrie, der für einen gesicherten Ertrag entlang der gesamten Wertschöpfungskette stehe – ein Faktor, der bei Banken zudem zu belastbaren Kreditlinien führe, wie er zufrieden hinzufügte. Michael Raß ermutigte abschließend die Zuhörer, den gleichen Weg einzuschlagen: „Nachhaltige Unternehmensführung ist auch für Gründungsunternehmen und kleine Betriebe realisierbar. Es sichert den Erfolg – und zwar nachhaltig!“

Nachhaltigkeit messbar machen

Wie man den Erfolg oder auch Misserfolg der eingeschlagenen Nachhaltigkeitsstrategie messbar machen könne, stellte als nächstes TÜV Rheinland-Bereichsvorstand Ralf Wilde anhand des TÜV STAR Ratings vor. Das Rating basiert auf dem Konzept der gesellschaftlichen Verantwortung: Es evaluiert die Leistungsfähigkeit von Organisationen und bewertet deren Verpflichtungen in einem breiten Spektrum von unternehmerischen und sozialen Herausforderungen unter Berücksichtigung internationaler Richtlinien und Standards. Wilde: „Global agierende Unternehmen sind sich zunehmend ihrer gesellschaftlichen Verantwortung bewusst. Eine nachhaltige Unternehmensstrategie schafft nicht nur Vertrauen, sondern steigert auch das öffentliche Ansehen und den wirtschaftlichen Erfolg.“
In diesem Zusammenhang übergab er an Roland Stroese das Zertifikat über das STAR Rating der INTERSEROH Dienstleistungs GmbH. Sie hatte als bisher einziges Unternehmen in Europa in allen neun Kategorien des TÜV Rheinland „STAR Ratings“ ein exzellentes Ergebnis erzielt. Der umfassende Vergleich analysierte und beurteilte die Verantwortung von Interseroh gegenüber der Umwelt, der Gesellschaft, seinen Mitarbeitern und seinen Geschäftspartnern. Dabei schnitt Interseroh insgesamt mit vier von fünf möglichen Sternen und damit „exzellent“ ab.

Globale Veränderungen im Auge behalten

Als letzter Redner setzte Eric Schweitzer, Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung, den Stellenwert nachhaltigen Wirtschaftens in den Zusammenhang der globalen Entwicklung. Das stetige Wachstum der Weltbevölkerung sorge zusehends zu einer Verknappung der endlichen Rohstoffe. Dies führe zu Angst vor Abhängigkeiten und willkürlicher Verknappung – gerade in Deutschland, das bei Erdöl und metallischen Rohstoffen fast vollständig importabhängig sei. Dementsprechend sei es umso wichtiger, die bereits vorhandenen Sekundärrohstoffe nachhaltig zu nutzen. Denn um den Ressourcenverbrauch dauerhaft zu senken, müsse es gelingen, im Abfall gebundene Stoffe und Materialien durch effizientes Recycling so umfassend wie möglich in den Wirtschaftskreislauf zurück zu führen. Dabei spiele die deutsche Recyclingindustrie weltweit eine tragende Rolle. Dementsprechend sei es wichtig, dass Rohstoffe aufgrund von gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht mehr in überwiegend kommunal betriebenen Müllverbrennungsanlagen verbrannt, sondern dem freien Markt und damit dem Recycling zugänglich gemacht werden. Bereits heute decke die deutsche Sekundärrohstoffbranche 13 Prozent des Rohstoffbedarfs der deutschen Industrie ab – sollte die Gesetzgebung von ihrem aktuell eingeschlagenen Kurs der Rekommunalisierung abweichen, könnte diese Quote noch deutlich erhöht werden.

In seinem Fazit zeigte sich nicht nur Roland Stroese von den Möglichkeiten und Ideen begeistert, die eine nachhaltige Unternehmensstrategie mit sich bringen – im anschließenden, informellen Austausch bestätigten viele Kongressteilnehmer, neue Impulse und interessante Konzepte für ihr Unternehmen mitgenommen zu haben – so hinterließ auch die Veranstaltung einen nachhaltigen Eindruck bei den Teilnehmern.

Weitere Informationen zur TÜV Rheinland STAR Audit Bewertung von Interseroh finden Sie hier.


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