Laut einer Studie drohen weltweit vielen Wirtschaftszweigen durch die Erderwärmung ungewöhnliche und teure Risiken

Schlechtes Klima fürs Geschäft

Für die meisten Branchen birgt der Klimawandel Risiken. Ausreichend darauf vorbereitet sind aber nur wenige. Das belegt eine Studie des Beratungsunternehmens KPMG, die der FTD vorliegt. Sechs Branchen liegen demnach in der "Gefahrenzone", in der hohes Risiko und besonders schlechte Vorbereitung zusammentreffen: Luftfahrt, Tourismus, Gesundheit, Transport, Öl und Gas sowie der Finanzsektor. Besser sieht es etwa für Telekommunikation, Ernährung und Chemie aus. Doch selbst diese Wirtschaftszweige sind nach Ansicht der Berater nicht ausreichend auf den Klimawandel vorbereitet.
Laut einer Studie drohen weltweit vielen Wirtschaftszweigen durch die Erderwärmung ungewöhnliche und teure Risiken

01.04.2008 – Für die meisten Branchen birgt der Klimawandel Risiken. Ausreichend darauf vorbereitet sind aber nur wenige. Das belegt eine Studie des Beratungsunternehmens KPMG, die der FTD vorliegt. Sechs Branchen liegen demnach in der „Gefahrenzone“, in der hohes Risiko und besonders schlechte Vorbereitung zusammentreffen: Luftfahrt, Tourismus, Gesundheit, Transport, Öl und Gas sowie der Finanzsektor. Besser sieht es etwa für Telekommunikation, Ernährung und Chemie aus. Doch selbst diese Wirtschaftszweige sind nach Ansicht der Berater nicht ausreichend auf den Klimawandel vorbereitet.

Der KPMG-Bericht mit dem Titel „Climate Changes Your Business“ analysiert 50 wissenschaftliche Studien und fasst sie zu einem Risikoranking zusammen. Das Ergebnis ist ein schlechtes Zeugnis für das Risikomanagement in vielen Branchen: „Es ist verblüffend, wie Unternehmen über bestimmte Klimarisiken hinwegsehen, während sie ausgefeilte Managementtechniken für den Umgang mit anderen Risiken haben“, sagt Studienautor Barend van Bergen.

Am schlechtesten vorbereitet ist laut Studie die Transportbranche. Das größte Risiko liegt für sie weniger in Wetterextremen als in Treibstoffsteuern, Straßenmaut oder Emissionshandel. 13 Prozent des weltweiten Treibhausgasausstoßes gehen auf den Transportsektor zurück. Die Unternehmen hätten sich bereits seit Langem darauf vorbereiten können, dass Regierungen die Transportpreise erhöhen würden, heißt es in der Studie.

Die Öl- und Gasbranche ist weit besser auf Klimarisiken vorbereitet – diese sind jedoch für Energiekonzerne laut KPMG so hoch, dass deren Geschäft trotzdem Schaden nehmen wird. Das größte Risiko liege wie beim Transportsektor auch in neuer staatlicher Regulierung.

In der Luftfahrt sieht die Studie neben dem Regulierungsrisiko auch ein erhöhtes Risiko für das Ansehen der Branche in der Gesellschaft: Spätestens 2010 werde der Klimawandel ein wichtiges Anliegen des Durchschnittskonsumenten sein. Ein Unternehmen, das seine Geschäftspolitik nicht danach ausrichte, riskiere den Verlust des Verbrauchervertrauens.

Der Finanzsektor bereitet sich laut Bericht ordentlich auf neue Risiken vor: 20 der 50 ausgewerteten Klimastudien sind von Finanzinstitutionen verfasst worden. Trotzdem seien die Risiken groß und unübersichtlich – sie liegen in den Portfolios der Branche versteckt. Eine von KPMG zitierte Studie hat die Treibhausgasemissionen von 185 britischen Investmentfonds untersucht. Das Ergebnis: Investoren können ihre kohlenstoffintensiven Beteiligungen reduzieren, ohne dabei ihre Erträge zu gefährden.

Für die Tourismusbranche sind die wichtigsten Klimarisiken direkt spürbar: Stürme, Überflutungen, Dürren. Das Ausmaß der Verwundbarkeit macht eine von KPMG zitierte Studie aus Australien deutlich. Eine Erwärmung um zwei bis drei Grad würde fast das gesamte Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Erde, ausbleichen. Das Riff ernährt eine 1,5 Mrd. australische Dollar schwere Tourismusbranche.

Auch die Gesundheitswirtschaft liegt in der „Gefahrenzone“. Die direkten Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit der Menschen, etwa durch Hitzewellen oder neuartige Krankheiten, seien zwar bekannt. Die Branche biete jedoch kaum Antworten auf die neuen Herausforderungen.

Als eines der am meisten unterschätzten Risiken nennt die KPMG-Studie das Prozessrisiko, zum Beispiel durch Schadensersatzklagen gegen Unternehmen, die besonders viel Kohlendioxid emittieren. Derartige Verfahren wird es vor allem in den Vereinigten Staaten geben, sie werden zunächst die Automobil-, Öl- und Finanzbranche betreffen und dann auch auf andere Branchen übergreifen, sagen die Autoren voraus. Bislang hat noch kein US-Gericht ein Unternehmen wegen seiner Klimaschädlichkeit verurteilt. Doch zwei Berufungsverfahren stehen noch aus: eine Schadensersatzklage des Staats Kalifornien gegen sechs Autobauer; und eine Klage der Stadt New York und einiger Bundesstaaten, die fünf Stromproduzenten zu einer Emissionsreduzierung zwingen wollen.

Zudem könnten Gerichtsverfahren die Firmen verpflichten, ihre interne CO2-Bilanz stärker offenzulegen. „Obwohl diese Risiken zunehmen, werden sie in den Klimastrategien der meisten Unternehmen nicht sehr ernst genommen“, heißt es in der Studie.

© Alle Rechte vorbehalten. Financial Times Deutschland, Hamburg, 01.04.2008. Nikolai Fichtner: Schlechtes Klima fürs Geschäft

Foto: www.pixelio.de


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