Klimaschutz als Wettbewerbsfaktor

Vorsprung mit besserem „Carbon Footprint“

Nicht nur Naturkatastrophen als Folgen der befürchteten Klimaveränderung durch vom Menschen verursachte Treibhausgase sind es, die heute zahlreiche Unternehmen dazu bringen, über die Kohlendioxid-Emissionen ihrer Produkte nachzudenken. Es sind auch die unternehmerischen Chancen, die sich durch verbesserte Prozesse, Ressourcenoptimierung und ein "grünes" Image im Wettbewerb bieten. "Am ‚Carbon Footprint’ wird mittelfristig gesehen kein Unternehmen mehr vorbeikommen - genauso wenig wie an einem aktiven Nachhaltigkeitsmanagement", schätzt Dr. Hartmut Pflaum, Abteilungsleiter Ressourcen- und Innovationsmanagement am Fraunhofer Institut UMSICHT in Oberhausen.
Klimaschutz als Wettbewerbsfaktor

30.09.2010 – Nicht nur Naturkatastrophen als Folgen der befürchteten Klimaveränderung durch vom Menschen verursachte Treibhausgase sind es, die heute zahlreiche Unternehmen dazu bringen, über die Kohlendioxid-Emissionen ihrer Produkte nachzudenken. Es sind auch die unternehmerischen Chancen, die sich durch verbesserte Prozesse, Ressourcenoptimierung und ein „grünes“ Image im Wettbewerb bieten. „Am ‚Carbon Footprint’ wird mittelfristig gesehen kein Unternehmen mehr vorbeikommen – genauso wenig wie an einem aktiven Nachhaltigkeitsmanagement“, schätzt Dr. Hartmut Pflaum, Abteilungsleiter Ressourcen- und Innovationsmanagement am Fraunhofer Institut UMSICHT in Oberhausen.

Über die Relevanz der weltweiten Senkung der so genannten Treibhausgasemissionen ist sich die internationale Politik weitgehend einig. Auch konkrete Ziele und Maßnahmen wurden beispielsweise im Rahmen des Kyoto-Protokolls und des europäischen Emissionshandelssystems bereits vereinbart, auch wenn es global betrachtet noch ein weiter Weg dahin ist, den Klimawandel tatsächlich aufzuhalten.

Doch auch die Wirtschaft hat das Thema für sich entdeckt, und dies nicht nur, weil sowohl gesetzliche Vorschriften als auch Naturkatastrophen selbst – beispielsweise für Versicherungen oder Produktionsbetriebe – erhebliche Kosten verursachen können. Zahlreiche Unternehmen haben auch erkannt, dass sie klare Wettbewerbsvorteile erzielen können, wenn sie ihre Lieferkette vor dem Hintergrund der mit ihren Produkten verbundenen Kohlendioxid-Emissionen analysieren.

Kostensenkungen und damit Vorteile gegenüber den Mitbewerbern lassen sich zum einen durch optimierte Prozesse und verbesserte Ressourcennutzung erzielen. Doch auch weitere Faktoren können erheblich zum Unternehmenserfolg beitragen. Dabei geht es nicht nur darum, umwelt- und nachhaltigkeitsbewusste Verbrauchergruppen verstärkt anzusprechen, um letztlich den Umsatz zu steigern, sondern auch um eine Positionierung als „grünes“ Unternehmen, beispielsweise gegenüber nachhaltigkeitsbewussten Investoren oder gesellschaftlichen Interessensgruppen. Nicht zuletzt sind es auch Mitarbeiter, die vom umweltbewussten Handeln ihres Unternehmens überzeugt sind, die ein positives Image nach außen kommunizieren.

Einige international tätige Unternehmen sehen bereits heute in Maßnahmen zur Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen bei ihren Liefanten ein wichtiges Auswahlkriterium für die Zusammenarbeit. Das geht aus einem Bericht der Non-Profit-Organisation Carbon Disclosure Project (CDP) hervor, die weltweit auf freiwilliger Basis Schlüsseldaten von 2.500 Unternehmen zum Thema Klimaschutz erhebt und auswertet. Fast alle Mitgliedsunternehmen des CDP Supply Chain Programms, zu denen global agierende Konzerne wie Dell und PepsiCo gehören, haben dazu bereits Strategien bei der Lieferantenauswahl eingeführt.

Logistikdienstleister sehen in der Reduktion ihrer CO2-Emissionen sogar eine größere Herausforderung als in der Versorgung mit Treibstoffen und Energie. Das ergab eine Studie von PricewaterhouseCoopers und dem Supply Chain Management Institute der European Business School. Der Druck auf die Transport- und Logistikbranche, eine vollständige Analyse ihrer Emissionen zu erstellen, wird künftig wachsen.

„Denn nur wenn wir die Emissionen konkret beziffern können, können wir auch nach Lösungen suchen und Innovationen entwickeln, um sie zu verringern“, erläutert Pflaum. Verbindliche Normen gelten dafür allerdings bisher nicht, dafür aber Standards und Initiativen zur Ermittlung des ‚Carbon Footprint’, also der Treibhausgasemissionen eines Produktes entlang seines gesamten Lebenszyklus.

In diversen Projekten zur Erstellung von CO2-Bilanzen für Unternehmen und zur Bewertung des Carbon Footprints von Produkten hat das Fraunhofer Institut UMSICHT bereits wissenschaftlich fundierte Methoden erarbeitet und verfügt über eine umfassende Datengrundlage aus Öko-Datenbanken und eigenen Erhebungen. Für die zum europaweit tätigen Umweltdienstleister und Rohstoffhändler ALBA Group gehörende Interseroh-Gruppe hat das Institut beispielsweise die Kohlendioxid-Emissionen beim Einsatz von Recyclingmaterial im Vergleich zu Primärrohstoffen ermittelt. Betrachtet wurde dabei jeweils der gesamte Produktionsprozess von Erfassung beziehungsweise Gewinnung der Rohstoffe bis zum vergleichbaren Endprodukt.

„Die Ergebnisse waren eindeutig: Recycling schont nicht nur natürliche Ressourcen, sondern auch das Klima. Durch fachgerechte Verwertung und den Einsatz von Sekundärrohstoffen in der Produktion können Unternehmen also den Carbon Footprint ihrer Produkte verringern, sich im Wettbewerb besser aufstellen und so zu globalen Klimaschutzzielen beitragen“, so Pflaum.

Lesen Sie in diesem Zusammenhang hier auch einen Beitrag zum Emissionshandel.


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