Neue Untersuchungen bewerten PET und Pflichtpfand positiv

Bessere Noten für Einweg

Bei der Bewertung von PET als Getränkeverpackung dreht sich der Wind. Die Einwegflasche schneidet deutlich besser ab als noch vor wenigen Jahren – vor allem dank technischer Optimierungen der Prozesskette. Außerdem hat das Pflichtpfand dazu geführt, dass sich rund um PET eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft entwickelt hat. Zu diesen Resultaten kommen zwei neue Studien im Auftrag von Umweltbundesamt und der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen.
Neue Untersuchungen bewerten PET und Pflichtpfand positiv

19.05.2010 – Bei der Bewertung von PET als Getränkeverpackung dreht sich der Wind. Die Einwegflasche schneidet deutlich besser ab als noch vor wenigen Jahren – vor allem dank technischer Optimierungen der Prozesskette. Außerdem hat das Pflichtpfand dazu geführt, dass sich rund um PET eine gut funktionierende Kreislaufwirtschaft entwickelt hat. Zu diesen Resultaten kommen zwei neue Studien im Auftrag von Umweltbundesamt und der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen.

Es ist noch nicht lange her, da war die Unterscheidung in gut und schlecht ganz einfach: Mehrwegverpackungen galten als ökologisch vorteilhaft, Einwegflaschen dagegen als umweltschädlich. Diese Rechnung geht nicht mehr auf. „Die stetigen Optimierungen entlang der Prozesskette haben zu deutlichen Verbesserungen in der ökobilanziellen Performance der PET-Einwegsysteme geführt.“ Zu diesem Ergebnis kommt das IFEU Institut in einer neuen Ökobilanz.

Die Heidelberger Abfallexperten untersuchten im Auftrag der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen (IK) verschiedene Glas- und PET-Mehrwegsysteme sowie unterschiedliche PET-Einwegflaschen und verglichen deren Auswirkungen auf Umwelt und Klima. Dabei wurden die Prozesse zur Herstellung, Abfüllung und Transport der Flaschen anhand von neun Wirkungskategorien analysiert – von der Eutrophierung der Gewässer über das Versauerungspotenzial bis hin zu Auswirkungen der entstehenden Emissionen auf den Klimawandel.

Ergebnis: Innerhalb der vergangenen zwei Jahre wurde die Prozesskette soweit modernisiert und optimiert, dass die PET-Einwegflasche mittlerweile besser ist als ihr Ruf. Die durchschnittliche 1,5-Liter-Flasche wiegt heute 14 Prozent weniger als noch vor wenigen Jahren, bei ihrer Herstellung kommen bis zu 26 Prozent rezykliertes Material zum Einsatz, technisch ist hier durchaus noch Steigerungspotenzial vorhanden. Die Preform-Herstellung ist um durchschnittlich 44 Prozent energiesparender geworden, die Abfüllung braucht nur noch halb so viel Strom als früher. Nicht zuletzt werden Flaschen nicht mehr so weit zum Handel und Verbraucher transportiert: Die Autoren ermittelten eine um durchschnittlich 180 Kilometer geringere Distanz.

Einweg und Mehrweg gleichauf

Der PET-Boom im Getränkesektor ist ungebrochen. Mineralwässer und Erfrischungsgetränke werden heute zu über 80 Prozent in Kunststoff abgefüllt. Die weit verbreitete 1,5-Liter-Einwegflasche zeigt laut der neuen Ökobilanz im Vergleich mit der Glas-Mehrwegflasche keine eindeutigen Vor- oder Nachteile mehr. Mit anderen Worten: „Pauschale Aussagen zugunsten der Mehrwegsysteme sind nicht mehr zu rechtfertigen“, konstatieren die Autoren. Kleine PET-Flaschen dagegen schneiden gegenüber Glas-Mehrweg ökologisch eindeutig schlechter ab.

Die Studie betont allerdings auch, dass die optimierten Prozesse für Flaschenherstellung und Transport zwar alle am Markt existieren, allerdings noch nicht überall umgesetzt sind. Was das bedeutet, rechnen die Autoren vor: Im Jahr 2008 wurden 5,5 Milliarden Liter kohlensäurehaltige Mineralwässer und Erfrischungsgetränke in 1,5-Liter-PET-Einwegflaschen abgefüllt. Wären zu diesem Zeitpunkt bereits alle technischen Verbesserungen umgesetzt gewesen, hätte die Branche über 60.000 Tonnen CO2-Äquivalente an Treibhausgasen eingespart.

Für die Zukunft nennt die Untersuchung mehrere Stellschrauben, die der Einwegflasche ein noch günstigeres Profil verleihen können. Sie empfiehlt beispielsweise einen definierten Mindestanteil von Recycling-PET, ein noch weiter verringertes Flaschengewicht, zusätzliche Effizienzsteigerungen in der Prozesskette und eine konsequente Regionalisierung der Abfüllung.

PET und Pfand – zwei Seiten einer Medaille

Ihr ökologisch verbessertes Profil hat die PET-Flasche nicht zuletzt dem Pflichtpfand zu verdanken. Das 2003 eingeführte Pfand hat dazu geführt, dass sich eine gut funktionierende Stoffkreislaufwirtschaft um den Werkstoff PET herum entwickelt hat. Es hat außerdem dazu geführt, dass es weniger Flaschen-Müll auf Straßen und Plätzen gibt als vor dem Pfand (so genanntes „Littering“). Zu diesen Ergebnissen kommt eine neue Untersuchung im Auftrag des Umweltbundesamtes. Darin haben Experten des Augsburger Bifa Umweltinstituts analysiert, welche Auswirkungen das Zwangspfand auf die Entwicklung der Mehrwegquote, auf Littering und Recycling hatte.

Als positiv vermerken die Autoren die Erfolge beim Anti-Littering und der separaten Erfassungsquote, als negativ die stark gesunkenen Mehrweganteile im Getränkesektor: „Den Verfall des Mehrweg-Anteils beim Wasser und bei den Erfrischungsgetränken konnte die Pfandpflicht zwar hinauszögern, jedoch nicht aufhalten.“

Dennoch gibt es laut Bifa wenig Argumente, das Pflichtpfand gegen andere politische Instrumente auszutauschen. Verglichen beispielsweise mit handelbaren Zertifikaten oder speziellen Abgaben auf Einwegverpackungen schneide das bestehende Pfanderhebungs- und Rücknahmesystem gut ab. Eine Einschätzung, die die Ergebnisse der aktualisierten Ökobilanz für PET-Einweg unterstreicht – beides nimmt Befürwortern von Strafabgaben auf Einweg den Wind aus den Segeln.

Mehr Aufklärung für Verbraucher nötig

Trotz aller positiven Resultate zu Pfand und PET – in einem wesentlichen Punkt üben beide Studien deutlich Kritik: Viele Verbraucher stehen der Vielfalt von Mehrweg- und Einwegflaschen, von pfandfreien und bepfandeten Verpackungen recht hilflos gegenüber. Die Bifa-Studie schlägt daher vor, alle Verpackungen künftig mit einem klaren Hinweis auf „Einweg“ oder „Mehrweg“ zu versehen. Außerdem sollte die Pfandpflicht auf alle Getränkesegmente ausgeweitet werden. “

Eine große Herausforderung für die Politik besteht darin, den Verbraucher differenziert über die Vor- und Nachteile der jeweiligen Getränkeverpackung zu informieren, um ihn als aufgeklärten Konsumenten zu ökologisch geprägten Kaufentscheidungen zu motivieren“, schreiben die Autoren. Denn nur gut informierte Verbraucher sind später auch bereit, ihre leeren Verpackungen richtig zu entsorgen oder regelmäßig zurückzubringen – unabdingbare Voraussetzung, um die teuer aufgebaute Recycling-Infrastruktur mit ausreichend Material zu versorgen.

Weiterführende Informationen

Informationen zu den zuverlässigen Lösungen von Interseroh zur Einhaltung der gesetzlichen Regelungen zum Einwegpfand finden Sie hier.

Informationen zum CO2-Einsparpotenzial durch PET-Recycling finden Sie in der CO2-Studie von Interseroh .

Die Bifa-Studie zum Pflichtpfand: http://www.umweltdaten.de/publikationen/fpdf-l/3931.pdf

Die Ökobilanz PET des Ifeu-Instituts können Sie anfordern unter:
info@kunststoffverpackungen.de


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