Recyclingwirtschaft trägt überdurchschnittlich zum Klimaschutz bei

Emissionshandel: Wer bietet mehr für CO2?

Kaufen kann man im Internet so ziemlich alles – Bücher, Musik, Kleidung, Lebensmittel und vieles mehr. Seit 2005 kann man in der Europäischen Union sogar Kohlendioxid-Emissionen im Internet kaufen und verkaufen, seit 2010 teilweise sogar in einem Versteigerungsverfahren. Allerdings sind bisher nur Anlagen der Energiewirtschaft und der emissionsintensiven Industrie vom Emissionshandel betroffen. Ab 2012 wird auch der Flugverkehr mit einbezogen, ab 2013 sollen weitere Bereiche dazukommen.
Recyclingwirtschaft trägt überdurchschnittlich zum Klimaschutz bei

30.09.2010 – Kaufen kann man im Internet so ziemlich alles – Bücher, Musik, Kleidung, Lebensmittel und vieles mehr. Seit 2005 kann man in der Europäischen Union sogar Kohlendioxid-Emissionen im Internet kaufen und verkaufen, seit 2010 teilweise sogar in einem Versteigerungsverfahren. Allerdings sind bisher nur Anlagen der Energiewirtschaft und der emissionsintensiven Industrie vom Emissionshandel betroffen. Ab 2012 wird auch der Flugverkehr mit einbezogen, ab 2013 sollen weitere Bereiche dazukommen.

Grundlage für den Emissionshandel in der Europäischen Union ist das Kyoto-Protokoll, das eine Ergänzung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC) darstellt und am 16. Februar 2005 in Kraft trat. Die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls, zu denen die EU-Mitgliedsländer gehören, verpflichten sich zu festen Zielen und verbindlichen Maßnahmen zur Reduzierung der sogenannten Treibhausgase, an denen Kohlendioxid den weitaus größten Anteil hat. Die Ziele, zu denen sich die Unterzeichner verpflichtet haben, werden in Prozent bezogen auf die Emissionsmenge des Jahres 1990 ausgedrückt, variieren aber von Land zu Land. Großbritannien hat sich beispielsweise zu einer Reduzierung von 12,5 Prozent bis 2012 verpflichtet, Deutschland hingegen zu 21 Prozent beziehungsweise zu 40 Prozent bis 2020.

Das Kyoto-Protokoll sieht unter anderem den Handel mit Emissionen als marktwirtschaftliches Instrument zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen vor. „Die Idee dahinter ist, dass die Nutzung natürlicher Ressourcen Kosten verursacht und ein sparsamer Umgang damit auch geringere Kosten für die Unternehmen bedeutet“, erläutert Roland Stroese, Mitglied des Vorstands der INTERSEROH SE, die unter dem Dach der ALBA Group das Recycling von Verpackungen sowie Produkten organisiert und die Industrie international mit Sekundärrohstoffen beliefert.

In der Europäischen Union wurde der Emissionshandel 2005 eingeführt und Emissionsberechtigungen in den einzelnen Ländern nach nationalen Allokationsplänen (Zuteilungsplänen) verteilt. Das Europäische Emissionshandelssystem ist der erste grenzüberschreitende und weltweit größte Emissionsrechtehandel. Mit Beginn der ersten Handelsperiode von 2005 bis 2007 wurde in Deutschland den Betreibern von Anlagen mit besonders hohen Emissionen jährlich jeweils eine bestimmte Menge Emissionsberechtigungen kostenlos zugeteilt. Sie müssen zudem jedes Jahr ihre Emissionen gegenüber der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) beim Umweltbundesamt nachweisen. Hat ein Unternehmen weniger Emissionen verursacht, als ihm laut Berechtigung zusteht, kann es diese verkaufen. Benötigt ein Unternehmen hingegen weitere Berechtigungen, kann es diese erwerben.

Die jährliche Zuteilung von Emissionszertifikaten erfolgt über so genannte Anlagenkonten bei der Deutschen Emissionshandelsstelle. Über den Internet-Auftritt der DEHSt werden auch die Handelskonten eröffnet. Der Handel selbst erfolgt zwischen den Unternehmen direkt oder über private Handelsplattformen. Erfüllt ein Unternehmen weder durch eigene Reduzierungsmaßnahmen, noch durch Erwerb anderer Berechtigungen das Einsparziel, werden Sanktionen fällig, die in der ersten Handelsperiode 40 Euro pro Tonne Kohlendioxid betrugen.

Die zweite Handelsperiode startete 2008 und endet 2012. Nun wurde die Zuteilungsmenge prozentual verringert, die Sanktionen auf 100 Euro pro Tonne Kohlendioxid erhöht und weitere Anlagentypen in den Emissionshandel aufgenommen, vorwiegend bestimmte Anlagen der Chemieindustrie, Weiterverarbeitungsanlagen in der Stahlindustrie und rußerzeugende Anlagen. Dabei werden nicht mehr alle Berechtigungen kostenlos verteilt, sondern etwa zehn Prozent veräußert. Seit dem Jahr 2010 erfolgt die Veräußerung durch ein Versteigerungsverfahren an der Leipziger Strombörse „European Energy Exchange“ (EEX) im Auftrag der Bundesregierung.

Inzwischen nehmen in Deutschland rund 1.600 Anlagen am Emissionshandel teil. Ab 2013 kommen mit der dritten Handelsperiode nicht nur weitere Industriebereiche, sondern auch weitere Treibhausgase hinzu. Dann soll das System grundsätzlich für alle Industrieunternehmen mit einem jährlichen Kohlendioxidausstoß von mehr als 10.000 Tonnen gelten, wobei es allerdings Ausnahmen für energieintensive und exportorientierte Unternehmen geben soll. Der Flugverkehr wird bereits ab 2012 in den Emissionshandel mit aufgenommen. Auch der Handel innerhalb der EU soll in der dritten Periode stärker harmonisiert werden. Anstelle von nationalen Allokationsplänen wird beispielsweise eine Gesamtobergrenze für die gesamte Europäische Union festgelegt, die jährlich gesenkt wird.

„Die Ziele sind ambitioniert und die Unternehmen werden gezwungen sein, in die Reduktion von Treibhausgasemissionen zu investieren“, meint Stroese. „Doch nicht nur Investitionen in Anlagen, auch die Optimierung von Prozessen und Produkten sowie der verstärkte Einsatz von Sekundärrohstoffen spart CO2-Emissionen.“ Die Entsorgungs- und Recyclingwirtschaft trage dabei erheblichen zum Klimaschutz bei. Bereits in den vergangenen 15 Jahren konnte die Branche rund 56 Millionen CO2-Äquivalente einsparen. Dies entspricht knapp einem Viertel der in Deutschland in diesem Zeitraum erreichten Reduktion von 235 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten. Recycling sei damit nicht nur Ressourcen-, sondern auch aktiver Klimaschutz, so Stroese.


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