3. Interseroh-Kongress in Köln

Verpackungsverordnung: „Das Jahr zum Üben ist vorbei!“

Vom 10. bis 14. Oktober drehte sich in Köln alles um die Ernährung: Die Anuga, Weltleitmesse für die internationale Ernährungswirtschaft, lockte fast 160.000 Fachbesucher aus dem In- und Ausland in die Domstadt. Gut 190 Vertreter aus Wirtschaft, Industrie und Verbänden nutzten dabei die Chance, um am 13. Oktober am zeitgleich stattfindenden 3. Interseroh-Kongress teilzunehmen und sich mit der viel diskutierten fünften Novelle der Verpackungsverordnung auseinander zu setzen. "Verpackungs-Recycling nachhaltig gestalten: Standards setzen – Ressourcen schonen – Zukunft sichern" war der Titel der halbtäglichen Veranstaltung im Kölner Hyatt Regency in unmittelbarer Nähe der KölnMesse.
3. Interseroh-Kongress in Köln

03.11.2009 – Vom 10. bis 14. Oktober drehte sich in Köln alles um die Ernährung: Die Anuga, Weltleitmesse für die internationale Ernährungswirtschaft, lockte fast 160.000 Fachbesucher aus dem In- und Ausland in die Domstadt. Gut 190 Vertreter aus Wirtschaft, Industrie und Verbänden nutzten dabei die Chance, um am 13. Oktober am zeitgleich stattfindenden 3. Interseroh-Kongress teilzunehmen und sich mit der viel diskutierten fünften Novelle der Verpackungsverordnung auseinander zu setzen. „Verpackungs-Recycling nachhaltig gestalten: Standards setzen – Ressourcen schonen – Zukunft sichern“ war der Titel der halbtäglichen Veranstaltung im Kölner Hyatt Regency in unmittelbarer Nähe der KölnMesse.

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Fast jeder Platz im RheinSaal des Hotels war belegt, als Interseroh-Vorstand Roland Stroese die Anwesenden begrüßte. In seinen Eröffnungsworten ging er auf die zunehmende Wichtigkeit von nachhaltigem Verhalten für Unternehmen ein, bei der auch die Verwertung von Rohstoffen eine fundamentale Rolle spiele. Um die Versorgung der Industrie mit wichtigen Sekundärrohstoffen sicherzustellen sowie die Umwelt durch die Verwendung von recycelten Materialien zu entlasten, sei auch die fünfte Novelle der Verpackungsverordnung Anfang 2009 in Kraft getreten. Da eine erhebliche Differenz zwischen lizenzierten Verkaufsverpackungen und tatsächlich entsorgten Mengen klaffe, sei laut Stroese die Wirtschaftlichkeit der dualen Systeme jedoch stark gefährdet: Zum Beispiel werden laut einer Hochrechnung für 2009 bei den neun bundesweit zugelassenen Betreibern dualer Systeme lediglich rund 1,12 Millionen Tonnen Leichtverpackungen lizenziert werden, aber voraussichtlich 1,6 Million Tonnen entsorgt werden müssen. Insgesamt würde für nur rund 55 Prozent aller Verpackungen bezahlt werden, auf den restlichen Kosten blieben die Systembetreiber sitzen. Als ausschlaggebenden Punkt sieht Stroese die stark verbreitete Trittbrettfahrerei – sollte sie nicht wirksam bekämpft werden, würden die dualen Systeme nicht viel länger finanzierbar sein. „Es kann weder im Interesse der Systembetreiber noch derjenigen Unternehmen sein, die ihre Mengen pflichtgemäß lizenzieren, dass einzelne Unternehmen sich durch ungesetzmäßiges Handeln Vorteile verschaffen“, betonte Stroese. „Als Systembetreiber und im Namen unserer Kunden bauen wir daher darauf, dass die Vollzugsbehörden dieser Wettbewerbsverzerrung entgegenwirken.“

„Kreativität“ bei Entsorgung entgegenwirken
Nach der Begrüßung seitens des Markenverbands – Mitorganisator des Kongresses – durch Geschäftsführer Carl Dominik Klepper ging Jürgen Seitel, Regierungsrat beim Bundesumweltministerium, in seinem nachfolgenden Vortrag auf eben jene Trittbrettfahrer näher ein: Obwohl die fünfte Novelle der Verpackungsverordnung gerade einmal neun Monate gültig sei, habe sie schon zur Stabilisierung der dualen Systeme beigetragen. Allerdings würden auch einige Systembetreiber durch „kreatives Herausrechnen“ von lizenzierungspflichtigen Mengen an Verkaufsverpackungen – etwa als Transportverpackungen oder Branchenlösungen, aber auch als natürlichem Schwund – das System unterminieren. Nun sei der so genannte Probelauf jedoch vorbei, bei dem man von Seiten der Vollzugsbehörden lediglich den ermahnenden Zeigfinger gehoben habe. Auch die Vollzugsbehörden hätten sich nun geordnet und sich einen ordentlichen Überblick über den Markt verschafft – jetzt, wo die Belastung durch die Einführung der Novelle abnehme, würden die Kontrollinstanzen die Lizenzierungsmengen der potenziellen Inverkehrbringer scharf prüfen und bei Zuwiderhandlung entsprechende Strafen verhängen. „Das Jahr zum Üben ist vorbei!“, brachte es Seitel auf den Punkt. Zudem erteilte er all denjenigen Kritikern, die das duale System als gescheitert sehen, eine Abfuhr: Laut einer kürzlich abgeschlossenen Studie des Bundeswirtschaftsministeriums gebe es zum aktuellen System keine effektivere Alternative, sowohl auf ökologischer als auch ökonomischer Basis.

VerpackV-Konkret.de: Einheitliche Standards setzen
Durch die seit Januar 2009 in Kraft getretene fünfte Novelle der Verpackungsverordnung hätten viele Unternehmen erstmalig ihre Verkaufsverpackungen lizenzieren sollen – aber nicht nur „kreatives Herausrechnen“ oder gar bewusstes Unterschlagen von Mengen sei ein Grund für die unbefriedigende Lizenzierungsmenge, so die nächste Referentin, Gunda Rachut, Geschäftsführerin des Osnabrücker Sachverständigenunternehmens Cyclos. Vielmehr sei auch eine allgemeine Verunsicherung, was nun eine lizenzierungspflichtige Verpackung sei und was nicht, ein großes Problem. Daher hatte Cyclos, in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM), das Internetportal www.verpackv-konkret.de ins Leben gerufen, das anhand von über 250 konkreten Beispielen eine Hilfestellung gibt, ob eine Verpackung lizenzierungspflichtig ist oder nicht. Auf Grundlage des Portals, das von sieben der neun bundesweit zugelassenen Systembetreibern unterstützt wird (außer VfW und Redual), haben sich die sieben unterstützenden Systembetreiber auf eine freiwillige Selbstverpflichtung verständigt, die einheitliche und qualitätssichernde Standards der verschiedenen dualen Systeme sicherstellen soll. So werde unter anderem momentan geplant, durch unabhängige Prüfer das Lizenzierungsgebahren der teilnehmenden dualen Systeme für alle nachvollziehbar darzustellen.

„Es ist nicht akzeptabel, dass einige zahlen und andere nicht“
Als nächster Referent stellte Dr. Klaus Peter Stadler, Director Environment & Water Resources Coca-Cola Europe Group, die Sichtweise der Industrie dar. Das Schlagwort „Ökoeffizienz“ gewinne für die Unternehmen aus Handel und Industrie zunehmend an Bedeutung. Dazu gehöre auch der verantwortungsbewusste Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Erde. Daher beschäftigten sich die meisten Unternehmen schon seit längerem mit der ressourcenschonenden Herstellung ihrer Verkaufsverpackungen. Für die Industrie seinen die dualen Systeme die geeignetste Methode, um Verpackungen einzusammeln und dem Stoffkreislauf erneut zuzuführen. Jedoch sei es für Handel und Industrie nicht akzeptabel, dass einige Unternehmen ihre Mengen lizenzieren würden, andere dies jedoch nicht täten. Daher werde sich die Industrie verstärkt dafür einsetzen, dass die Verpackungsverordnung strikt eingehalten werde.

„Stoffstrommanagement der Zukunft“ und glaubhafte, unabhängige Zertifizierungsmöglichkeiten
Den Vortragsteil der Veranstaltung schlossen Dr. Hartmut Pflum, Abteilungsleiter Marketing, Kommunikation, Unternehmensplanung und Geschäftsfeldleiter Ressourcenmanagement vom Fraunhofer Institut UMSICHT und Dr. Dirk Reinsberg, Mitglied der Geschäftsleitung WWF Deutschland. Dr. Pflum ging in seiner Rede auf die im Auftrag von Interseroh durchgeführte Studie zum Einsparpotenzial von Kohlendioxidemissionen durch Recycling ein. Dabei hob er hervor, dass die in 2007 von Interseroh eingesparten über fünf Millionen Tonnen CO2 ein „sehr vorzeigbarer Wert“ seien – schließlich entwickele sich Recycling immer mehr zum Stoffstrommanagement der Zukunft.

Dr. Reinsberg hingegen ging auf verschiedene Zertifizierungsverfahren des WWF ein, die aufgrund ihrer Unabhängigkeit im Markt einen sehr guten Ruf genössen. So habe sich etwa das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) zur Förderung der verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung aufgrund seiner strengen und regelmäßigen Prüfkriterien als Vermarktungsinstrument im Handel und der Produktion von Holzprodukten durchgesetzt. Gerade die Kombination von ökologischen, ökonomischen und sozialen Kriterien bei der Vergabe des Siegels haben bekannte Unternehmen wie Ikea, WalMart oder TetraPak dazu bewegt, auf diese Zertifizierung zu bestehen.

„Mehr Zeit für Ihre Kernkompetenz“
In der anschließenden Diskussionsrunde verwies Dr. Reinsberg noch einmal auf die Wichtigkeit eines einheitlichen Zertifizierungssystems – mit der ausdrücklichen Betonung, dass auch regelmäßige und unabhängige Kontrollen erfolgen müssten. Gunda Rachut bestätigte in diesem Zusammenhang, dass die sieben Partnerunternehmen von VerpackV-Konkret sich momentan in produktiven Gesprächen befänden, um ein unabhängiges Zertifizierungsverfahren auf die Beine zu stellen. Denn viele Inverkehrbringer von Verkaufsverpackungen bemängelten, dass sie nicht wüssten, welchem Systemanbieter sie vertrauen könnten und welchem nicht – „das ist nicht unsere Kernkompetenz“, fasste es ein Unternehmensvertreter in der Diskussionsrunde treffend zusammen.
Am Ende verließen die Teilnehmer gut informiert die Veranstaltung, viele in Richtung Anuga. Und der WWF konnte sich noch über weitere Anerkennung freuen: Auf Vorschlag von Interseroh-Vorstand Roland Stroese verzichteten die Redner auf ihr Honorar, Interseroh legte noch einmal den gleichen Betrag dazu, und spendeten es dem WWF.


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