Interview mit Karsten Konrad

Abfall von seiner schönsten Seite

Für die einen ist es Sperrmüll, für Karsten Konrad ist es ein Berg an Möglichkeiten. Ausgedienten Spanplatten und Reststoffen haucht der Berliner Künstler mit seinen Skulpturen neues Leben ein. Karsten Konrad lebt den Recyclinggedanken - Grund genug für die Interseroh AG, ihren aktuellen Geschäftsbericht mit Abbildungen ausgewählter Werke des Künstlers zu schmücken. Interseroh-News sprach mit Karsten Konrad über seine Leidenschaft.
Interview mit Karsten Konrad

22.02.2008 – Für die einen ist es Sperrmüll, für Karsten Konrad ist es ein Berg an Möglichkeiten. Ausgedienten Spanplatten und Reststoffen haucht der Berliner Künstler mit seinen Skulpturen neues Leben ein. Karsten Konrad lebt den Recyclinggedanken – Grund genug für die Interseroh AG, ihren aktuellen Geschäftsbericht mit Abbildungen ausgewählter Werke des Künstlers zu schmücken. Interseroh-News sprach mit Karsten Konrad über seine Leidenschaft.

Interseroh-News: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?
Karsten Konrad: Ich habe schon als Kind viel gezeichnet. Als Teenager beschäftigte ich mich durch den Einfluss meiner Mutter mit Architektur und Design. Außerdem habe ich schon sehr früh regelmäßige Flohmarkttouren gemacht, um mich inspirieren zu lassen. Nach dem Abitur stand ich vor der Wahl: Architektur oder Kunst. Die Entscheidung ist für die Kunst gefallen, weil sie mir größere Freiheit und Unmittelbarkeit in der Umsetzung meiner Ideen ermöglicht. Durch die Kunst erschaffe ich eine eigene Welt.

Was ist das Typische an Ihren Werken?
Zunächst das Material. Ich arbeite mit Dingen, die ich finde. Das Material hat Gebrauchsspuren und keine perfekte Oberfläche, Form und Haptik werden betont. So haben die Skulpturen immer ein „Alter“. Meine Farbpalette ist das Material selbst, ich trage keine Farben nachträglich auf. Als „Nicht-Maler“ kann ich mit Material malen. Meine Arbeiten sind immer eine Auseinandersetzung – mit Architektur, Konstruktivismus, Abstraktion. Sie erlauben eine Vielzahl von Assoziationen.

Wie lassen Sie sich inspirieren? Wie sammeln Sie Ihre Ideen?
Das Material selbst inspiriert mich. Dazu kommt meine Beschäftigung mit Architektur- und Kunstgeschichte, Design und Begegnungen mit Formen des Alltags.

Was macht das Arbeiten mit Holz so besonders?
Holz ist ein dominantes Material, wenn auch nicht das einzige, mit dem ich arbeite. Ich verwende auch Kunststoff, Metall und Kappa (ein Weichschaum, der für Werbeplatten genutzt wird, Anm. d. Red.). Ich suche mein Material nach seiner Farbe und Form aus. Beschichtete Spanplatten sind für mich besonders interessant, weil sie als neutraler Industriewerkstoff eine robuste Oberfläche und klare Farben haben. Außerdem sind sie überall zu finden. Möbel haben nur eine kurze Halbwertszeit und werden dann rasch entsorgt. Hier kommt der Recyclinggedanke ins Spiel – wie ein ironischer Anklang an die Alchemie: aus Müll wird Gold.

Woher bekommen Sie Ihren Rohstoff?
Ich finde ihn auf der Straße und im Sperrmüll oder in der Reste-Ecke im Baumarkt. Wie schon früher sind auch Flohmärkte für mich eine Fundgrube.

Von der Idee zum fertigen Kunstwerk – bitte beschreiben Sie den Prozess.
Im Vorfeld gibt es keine klare Idee der Arbeit. Entscheidend ist der Dialog mit dem Material – ich möchte mich selbst überraschen. Der kritische Moment ist der Anfang, das Zusammenfügen der ersten Elemente. Bevor ich damit beginne, stelle ich mein Baumaterial durch exzessives Sägen der Spanplatten selbst her. Bei manchen Arbeiten beschränke ich mich gleich zu Anfang auf eine bestimmte Farbpalette, etwa Schwarz-Weiß oder Braun-Töne.

Was war für Sie bei der Entscheidung ausschlaggebend, Ihre Werke für den Interseroh-Geschäftsbericht zur Verfügung zu stellen?
Interseroh arbeitet als Recyclingunternehmen mit den gleichen Werkstoffen wie ich – daher ergibt sich eine natürliche Affinität. Mein kreativer Umgang mit Sekundärrohstoffen ergänzt die Recyclingidee von Interseroh. Außerdem schätze ich die Möglichkeit, einige meiner Skulpturen gedruckt zu sehen und damit einen Personenkreis zu erreichen, der nicht notwendigerweise mit Kunst zu tun hat.


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