Interview mit Torsten Schmidt, Betriebsleiter der ALBA-Sortieranlage in Berlin-Mahlsdorf

„Altpapier ist eine wichtige einheimische Ressource“

Recycling schont Ressourcen, Klima und Umwelt. Für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland wird Altpapier als Sekundärrohstoff immer wichtiger. Recyclingnews sprach mit Torsten Schmidt, Ingenieur für Umwelttechnik und Betriebsleiter der größten Papiersortieranlage der ALBA Group in Berlin, über die Besonderheiten von Altpapier als Abfall und Rohstoff – heute und in der Zukunft.
Interview mit Torsten Schmidt, Betriebsleiter der ALBA-Sortieranlage in Berlin-Mahlsdorf

30.09.2010 – Recycling schont Ressourcen, Klima und Umwelt. Für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland wird Altpapier als Sekundärrohstoff immer wichtiger. Recyclingnews sprach mit Torsten Schmidt, Ingenieur für Umwelttechnik und Betriebsleiter der größten Papiersortieranlage der ALBA Group in Berlin, über die Besonderheiten von Altpapier als Abfall und Rohstoff – heute und in der Zukunft.

recyclingnews: Herr Schmidt, was erkennen Sie beim bloßen Blick in die blauen Tonnen?
Torsten Schmidt: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten merkt man, dass die Haushalte weniger konsumieren. Es gibt dann beispielsweise weniger Verpackungsmaterial. Außerdem lesen immer weniger Menschen täglich ihre Zeitung oder jede Woche ihre Zeitschrift und informieren sich lieber im Internet. Das führt dazu, dass es weniger grafische Papiere in der Sammlung gibt als noch vor einigen Jahren.

Was ist besonders am Wertstoff Altpapier?
Altpapier stinkt nicht, ist sauber und verglichen mit anderen Abfällen ein recht homogenes Gemisch. Vor allem aber ist es ein wertvoller Sekundärrohstoff. Die Tagesszeitung, die ich heute morgen gelesen habe, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mal über unsere Sortieranlage gelaufen. Papierrecycling ist Ressourcenschutz im besten Sinne: Jede Tonne, die wir sortieren und an Papierfabriken liefern, schont die Wälder.

Früher war Altpapier grau …
Diese Zeiten sind längst vorbei. Heute ist Papier aus Altpapier nicht von Neupapier zu unterscheiden. Sie können Papierfasern bis zu sieben Mal im Kreislauf fahren, bis sie dann schließlich zu kurz sind und kein gutes Papier mehr geben. Aber die Menschen heute wissen, dass sich die Technik enorm weiterentwickelt hat und Recyclingfasern blütenweiß sind.

Trennen die Verbraucher gut genug?
Heute weiß eigentlich jeder, dass man Pappe und Altpapier in die blauen Tonnen steckt. Trotzdem gibt es natürlich Verbraucher, die alte Zeitungen in Plastiktüten bündeln und mitsamt der Tüte einwerfen oder alte Zeitschriften in Cornflakes-Packungen stecken. Ein Problem sind auch Werbeprospekte, die eingeschweißt in Plastikfolie verteilt werden. Das bekommt auch die beste Sortiertechnik nicht auseinander.

Ohne manuelle Sortierung geht es also auch in Zukunft nicht?
Erfahrene Sortierkräfte erkennen auf einen Blick, was in die Fraktionen darf und was nicht. Wir machen unseren Mitarbeitern klar, wie wichtig ihre Arbeit ist und dass jeder ein Teil des Kreislaufs ist. Natürlich ist die Sortierung am Band anstrengend, aber die Sortierkabinen sind klimatisiert und die Luft wird ständig abgesaugt.

Wie stellen Sie gleichbleibend hohe Qualität bei der sortierten Ware sicher?
Die Ware, die wir an die Papierfabriken liefern, darf maximal drei Prozent falsche Papiere enthalten. Wir liegen meist nur bei einem Prozent oder darunter. Das Geheimnis ist die Kopplung von moderner Technik und erfahrenen, motivierten Mitarbeitern.

Kann man Altpapier auch zum Restmüll geben, denn der wird in manchen Kommunen ja vorsortiert?
Das sollte man nicht tun. Sobald Abfall feucht ist – und das ist beim Restmüll immer der Fall – kann man das Papier nicht mehr aussortieren. Dieses Papier ist fürs Recycling verloren. Am liebsten ist uns Sortierern, wenn alles ungebündelt, unverpackt und unzerknüllt eingeworfen wird und zwar ohne Styropor- oder Plastikteile. Dann können die einzelnen Papiersorten sauber getrennt werden.

Wie wird sich das Papierrecycling weiterentwickeln?
Durch Recycling macht sich ein rohstoffarmes Land wie Deutschland unabhängiger von Importen. Dieser Aspekt wird in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen. Denn der Papierbedarf der Welt wächst und die Frischfasern aus Holz werden immer teurer. Umso wichtiger ist es, dass wir Altpapier als einheimische Ressource so gut wie möglich nutzen. Voraussetzung dafür ist, dass jeder Verbraucher mitspielt und sein Altpapier getrennt entsorgt. Dann können wir sortieren und den Fabriken wertvollen Sekundärrohstoff liefern.

Lesen Sie hier mehr zum Papierrecycling der Unternehmen der ALBA Group.


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