Ein nicht alltäglicher Umzug

Schere und Schredder auf Reisen

Es war kein Umzug wie jeder andere. Wenn Großrecyclinganlagen auf die Reise gehen, ist die logistische Herausforderung denkbar groß. Von November 2007 bis September 2008 dauerte das Unterfangen: Mit der Verlagerung ihres Standortes vom Hansekai im Rostocker Überseehafen an die Pier im Ortsteil Marienehe hat das Metallrecycling-Unternehmen Interseroh Metallaufbereitung (MAB) Rostock GmbH eine logistische Glanzleistung geschafft.
Ein nicht alltäglicher Umzug

14.11.2008 – Es war kein Umzug wie jeder andere. Wenn Großrecyclinganlagen auf die Reise gehen, ist die logistische Herausforderung denkbar groß. Von November 2007 bis September 2008 dauerte das Unterfangen: Mit der Verlagerung ihres Standortes vom Hansekai im Rostocker Überseehafen an die Pier im Ortsteil Marienehe hat das Metallrecycling-Unternehmen Interseroh Metallaufbereitung (MAB) Rostock GmbH eine logistische Glanzleistung geschafft.

Anders als beim Wohnungswechsel geht es bei Betriebsverlagerungen nicht ohne behördliche Zustimmung. Als Ende Juni 2007 schließlich die Genehmigung zur „Neuerrichtung eines Betriebes“ erteilt wurde, war der Startschuss für das Mammutprojekt gefallen. Als Erstes wurde ein Team zusammengestellt, um den Umzug zu planen. Robert Kell, Technischer Leiter und seit mehr als 20 Jahren bei der Interseroh MAB, übernahm die Verantwortung für das Projekt.

Den Anfang machte die Schrottschere: Innerhalb von 14 Tagen wurde sie im November 2007 in drei Baugruppen demontiert. Größtes Teil war das „Scherenbett“, 140 Tonnen schwer, 6,5 Meter breit, 4,6 Meter hoch. Auf einem Schwerlasttransporter ging es nachts im Schritt-Tempo auf die vier Kilometer lange Strecke zum neuen Standort. Zentimetergenau wurde das stählerne Ungetüm durch den Tunnel unter der Warnow transportiert. Nach zwei Stunden war das Ziel erreicht.

Dort begann der eigentliche Teil der Arbeit: Sechs Wochen dauerte der Aufbau auf den neu gegossenen Fundamenten. Am 2. Januar 2008 wurde die Schere angefahren und lief sofort. „Fast ein Wunder“, sagt Kell, „aber wir haben auch alles Erdenkliche dafür getan, die empfindliche Hydraulik durchgespült und sämtliche Rohrleitungen sofort verschlossen.“ Schon ein Sandkorn kann nämlich den Koloss außer Betrieb setzen, der sonst mühelos schweren Stahlschrott knackt.

Während die Großschere ihr normales Geschäft aufnahm und große Schrottteile in kleinere teilte, waren direkt nebenan wieder die Betonbauer am Werk. Der Umzug des Schredders, der aus Schrott handliche „Klumpen“ für die Stahlproduktion macht, stand kurz bevor. Wieder wurden großflächig Fundamente mit Beton höchster Güteklasse vorbereitet.

Ein Schredder ist nicht so kompakt wie eine Schere. Er ist zwar eingehaust, also von Dach und Wänden umgeben. Seine „Peripherie“ besteht jedoch aus Förderbändern, einer Entstaubungsanlage und dem Abscheider für die nichtmagnetischen Metalle – viele sperrige Teile, die wieder besondere Anforderungen an die Logistik stellten. Das galt vor allem für das 28 Meter lange und 60 Tonnen schwere Zuführband, das zum Beispiel ganze Autokarossen in das Aggregat transportiert.

Nach dem Abbau seiner Behausung wurde der Schredder Anfang Juni innerhalb von 14 Tagen demontiert und abtransportiert. Die Montage war nach weiteren sechs Wochen abgeschlossen – einschließlich einer kompletten Überholung und dem Einbau einer neuen Entstaubungsanlage. Die Vorgabe „Probebetrieb am 1. September“ wurde damit eingehalten.

Am 26. September 2008 wurde der erfolgreiche Umzug schließlich mit mehreren hundert Vertretern aus Politik, Wirtschaft und den Mitarbeitern gefeiert. Das Fazit von Robert Kell: Betonbauer, Stahlbauer, Elektriker, Monteure und andere Gewerke unter einen Hut zu bekommen, ist nicht einfach. Aber regelmäßige Beratung im großen Team und klare Tagesziele machten eine Betriebsverlagerung in Rekordzeit möglich. Täglich wurde zehn Stunden gearbeitet, auch an den Wochenenden. „Die Motivation war bei unseren Mitarbeitern und denen der Fremdfirmen sehr hoch“, begründet Kell den Erfolg.


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