Interseroh setzt Akzente und arbeitet beim Elektroaltgeräterecycling mit der Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte zusammen

„Teilhabe ist Menschenrecht“

Trotz des verhaltenen Aufschwungs ist die Arbeitslosenquote in Deutschland anhaltend hoch. Eine Gruppe, die es am regulären Arbeitsmarkt besonders schwer hat, sind Menschen mit Behinderung. Die Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte versucht dem entgegenzuwirken: In Kooperation mit Interseroh werden an mehreren Standorten ausgediente Elektrogeräte demontiert.
Interseroh setzt Akzente und arbeitet beim Elektroaltgeräterecycling mit der Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte zusammen

01.10.2006 – Trotz des verhaltenen Aufschwungs ist die Arbeitslosenquote in Deutschland anhaltend hoch. Eine Gruppe, die es am regulären Arbeitsmarkt besonders schwer hat, sind Menschen mit Behinderung. Die Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte versucht dem entgegenzuwirken: In Kooperation mit Interseroh werden an mehreren Standorten ausgediente Elektrogeräte demontiert.

Thomas Müller (Name von der Redaktion geändert) lacht. Die Arbeit mit dem alten Videorekorder macht ihm sichtlich Freude. Schnell erkennt er die unterschiedlichen Komponenten – weiß welches Bauteil wie zu demontieren ist und zu welcher Materialfraktion es gehört. Was für den Laien wie eine willkürliche Ansammlung elektronischer Bauteile wirkt, ist für den Dreiundzwanzigjährigen ein Ersatzteil- und Rohstofflager, das es mit Fachkenntnis auszubeuten gilt. Und dennoch: Auf dem freien Arbeitsmarkt hätte er wohl keine Chance gehabt. Denn Thomas Müller ist stark unterstützungsbedürftig, lebt seit seiner Geburt mit dem Down-Syndrom. Eine Tatsache, die ihn von vielen Aktivitäten, die für andere Menschen selbstverständlich sind, ausgrenzt. Und das weniger, weil er aufgrund seiner Behinderung nicht dazu fähig wäre, sondern, weil es vermeintlich einfacher erscheint, jemanden wie ihn einfach nur zu versorgen, anstatt ihm die Möglichkeit zu erschließen, weitestgehend für sich selbst zu sorgen. Solche Teilhabe funktioniert im Kindesalter – zum Beispiel in integrativen Kindergärten oder teilweise auch noch in regulären Grundschulen – häufig noch ganz gut, doch je älter der Mensch mit Behinderung wird, desto gravierender werden die Benachteiligungen und Ausgrenzungen. Nach Ende der Grundschulzeit ist für die meisten die Teilhabe beendet, und das Kind geht in eine Sondereinrichtung, „weil die Voraussetzungen dort besser sind“.

Hier setzen die Werkstätten für behinderte Menschen an: Sie bieten Thomas Müller und anderen eine Möglichkeit, am Arbeitsleben teilzunehmen. Voraussetzung für diese besondere Funktion als Arbeitgeber ist, dass eine Werkstatt Kundenaufträge hat – wie jedes andere Unternehmen auch. Und genau dabei zu helfen, nämlich die Auftragssituation von Werkstätten zu verbessern, hat sich die GDW, die Genossenschaft der Werkstätten für Behinderte in Kassel, zur Aufgabe, gemacht. „Teilhabe ist eine der zentralen Forderungen unserer Arbeit“, führt Stefan Werner, Projektleiter der GDW aus. „Natürlich wäre es wünschenswert, wenn der sogenannte erste Arbeitsmarkt freie Kapazitäten für behinderte und nicht behinderte Menschen hätte. Aber die Dinge sind eben nicht immer so, wie wir sie uns wünschen. Da ist unsere Arbeit eine echte Hilfe für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf.“ Wie zum Beispiel Thomas Müller. Es ist noch nicht allzu lange her, da hätte er vielleicht ein Leben in einem Heim verbringen müssen, ohne einen sinnerfüllten Alltag. Stattdessen sorgt er dafür, dass aus ausgedienten Elektrogeräten kein umweltbelastender Schrott wird, sondern wichtige Rohstoffe, wie Kupfer und bestimmte Kunststoffe recycelt werden oder ganze Bauteile wieder verwendet werden können. rundlage ist das Elektroaltgerätegesetz, das Hersteller von Elektro- und Elektronikgeräten in die Pflicht nimmt und die Produktverantwortung regelt. Wer Elektrogeräte in der EU verkauft oder vertreibt, muss die defekten Geräte am Ende ihres Lebenszyklus‘ zurücknehmen und der Verwertung zuführen.

Viele Hersteller und Vertreiber verlassen sich bei der Erfüllung dieser Pflicht auf die bewährte Dienstleistungskompetenz von Interseroh. Und haben sich damit nicht nur für eine ökonomisch wie ökologisch gleichermaßen vorteilhafte Lösung entschieden, sondern fördern ganz nebenbei auch noch ein wenig die Teilhabe behinderter Menschen. Denn damit Einrichtungen wie die GDW ihre Arbeit erfolgreich fortsetzen können, brauchen sie wie jedes andere Wirtschaftsunternehmen auch Kunden, die ihre Leistungen zu schätzen wissen. Und die reichen von der Datenträgervernichtung über digitale Archivierung bis zum Elektrogeräterecycling. Interseroh baut auf Spezialisten wie Thomas Müller. Der hat sein Handwerk nicht erst seit dem Inkrafttreten des Elektroaltgerätegesetzes gelernt. Auch vorher schon wurden – allerdings häufig in kommunalem Auftrag – alte Geräte in der Werkstatt demontiert. Das war eine Arbeit, auf die Einrichtungen wie die GDW sich schon seit langen Jahren spezialisiert hatten. Als nun die gesetzliche Neuregelung kam, bestand allenthalben die Befürchtung, dass dieses Marktsegment jetzt wegbrechen und von Konkurrenzunternehmen besetzt werden könnte. Eine Befürchtung, die bislang zumindest der Grundlage entbehrt. Markus Müller-Drexel, Geschäftsführer der ISD Interseroh GmbH begründet die Entscheidung seines Unternehmens für die GDW: „Interseroh hat als Unternehmen schon immer auch soziale Verantwortung übernommen. Im Falle der GDW haben wir zudem einen Partner, der beim Thema Qualität absolute Spitze ist“. Thomas Müller darf sich freuen: Mit seiner Arbeit hat er dazu beigetragen, dass sein „Unternehmen“ zu den Marktführern gehört.

Das Leistungsangebot der Werkstätten für behinderte Menschen: Bereits seit über zehn Jahren sind die Werkstätten für behinderte Menschen beim Recycling von Elektro(nik)-Altgeräten tätig. Bundesweit arbeiten mehr als 800 Mitarbeiter an 69 Standorten im Recycling von Elektroaltgeräten. Die manuelle Demontage ermöglicht eine weitgehend sortenreine Fraktionierung: Die Basis für das Einhalten der Vorgaben des Elektroaltgerätegesetzes (ElektroG) zur „selektiven Behandlung“ und das Erreichen der Verwertungsquoten. Die Qualität ist zertifiziert nach DIN EN ISO 9000 ff. sowie nach Entsorgungsfachbetriebeverordnung (EfbV). Das Leistungsspektrum der GDW umfasst auch zahlreiche weitere Dienstleistungen – von Kopier- und Druckarbeiten über Daten- und Texterfassung bis hin zur Aktenvernichtung.


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