Im neuen Fünf-Jahres-Plan betont Peking Klima- und Ressourcenschutz

Umweltschutz made in China

China ist als aufstrebende Wirtschaftsmacht und als Hauptlieferant wichtiger Rohstoffe wie Seltene Erden für High-Tech-Produkte derzeit in aller Munde. Mitte Oktober überraschte das "Reich der Mitte" mit neuen Schwerpunkten im Entwurf für den zwölften Fünf-Jahres-Plan der Regierung. In den Jahren 2011 bis 2015 sollen unter anderem erneuerbare Energien und Umweltschutz im Fokus stehen. China könnte damit auch Schwung in die internationalen Klimadebatten bringen.
Im neuen Fünf-Jahres-Plan betont Peking Klima- und Ressourcenschutz

16.12.2010 – China ist als aufstrebende Wirtschaftsmacht und als Hauptlieferant wichtiger Rohstoffe wie Seltene Erden für High-Tech-Produkte derzeit in aller Munde. Mitte Oktober überraschte das „Reich der Mitte“ mit neuen Schwerpunkten im Entwurf für den zwölften Fünf-Jahres-Plan der Regierung. In den Jahren 2011 bis 2015 sollen unter anderem erneuerbare Energien und Umweltschutz im Fokus stehen. China könnte damit auch Schwung in die internationalen Klimadebatten bringen.

Die chinesische Regierung setzt sich im neuen Fünf-Jahres-Plan, der im März nächsten Jahres vom Nationalkongress verabschiedet werden soll, ehrgeizige Ziele für Ressourcen- und Klimaschutz. Das Riesenreich will in den nächsten Jahren die Weichen für ein Wirtschaftssystem stellen, das auf sauberer Produktion, hoher Energieeffizienz und Ressourcenschonung basiert.

Bis 2020, so verkündete die Regierung bereits im vergangenen Jahr, will China seine Kohlenstoff-Intensität – das entspricht dem Kohlendioxid-Ausstoß pro Energieeinheit oder pro Einheit erwirtschaftetes Bruttosozialprodukt – im Vergleich zu 2005 um 40 bis 45 Prozent senken. Die Erfüllung solcher Ziele werde zwar ein „beschwerlicher“ Weg, betonte Gao Guangsheng als Vertreter der nationalen Entwicklungskommission Mitte November in Peking, aber ohne effektive Kontrolle der Treibhausgasemissionen sei eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung in China nicht möglich.

Das Herzstück des ersten chinesischen „Öko-Programms“: Das Land will zum Global Player für erneuerbare Energien werden. „Wir unternehmen große Anstrengungen, um grüne und emissionsarme Technologien zu fördern“, betont Vize-Premierminister Li Keqiang. Das ist offenbar nicht nur Rhetorik. In der Inneren Mongolei wurden innerhalb kurzer Zeit Windparks mit einer Leistung von sieben Gigawatt installiert, weitere drei Gigawatt sind im Bau. Der US-amerikanische Think Tank Pew Environment Group hat zudem in einer vergleichenden Analyse festgestellt, dass China im Jahr 2009 knapp 35 Milliarden Dollar in Grüne Energien investiert hat – nahezu doppelt so viel wie die USA.

Allerdings gibt es noch eine große Kluft zwischen den politischen Zielen und der Realität. Nur ein Teil der Leistung der Windkraftanlagen in der Inneren Mongolei kann bisher tatsächlich in die Stromnetze eingespeist werden, weil diese derzeit nicht mehr verkraften. Auch in China wachsen die kritischen Stimmen, die davor warnen, dass schwache Netze, eine Überproduktion von Windkraft und Solarzellen und ein Mangel an innovativen Schlüsseltechnologien den Weg hin zur Kohlendioxid-armen Wirtschaft bremsen.

Neben den erneuerbaren Energien will sich China in den kommenden Jahren auf Investitionen in Kläranlagen, Filtertechniken und Lärmbekämpfung sowie „alle wesentlichen Umweltprobleme, mit denen die Menschen im Alltag zu kämpfen haben“ konzentrieren, so Vize-Premier Li.

Eines dieser Probleme ist der Abfall. Laut nationalem Umweltmanagementbericht des Umweltministeriums wurden im vergangenen Jahr zwar rund 95 Prozent der festen Industrieabfälle, rund 94 Prozent des giftigen Sondermülls und rund 81 Prozent der Krankenhausabfälle erfasst, deponiert oder verwertet. Aber nur selten entsprechen die Anlagen westlichen Standards. Allein die zahlreichen Millionenstädte produzieren jährlich über 1,5 Milliarden Tonnen Abfall – Tendenz steigend. Nur ein geringer Anteil davon wird bisher recycelt.

China wird und muss in den kommenden Jahren daher erheblich in Infrastrukturprojekte investieren, auch im Bereich Recycling und Ressourcenschonung im industriellen und kommunalen Abfallbereich, ist Jochen C. Trommer, Leiter der Vertretung der ALBA Group in Shanghai, überzeugt. „Als Recyclingspezialist und Umweltdienstleister ist die ALBA Group mit unseren in Europa genutzten Recycling-Technologien sowie dem Betreiben effizienter Rücknahmesysteme hervorragend aufgestellt, um unseren Beitrag für das Erreichen der ambitionierten Ziele Pekings zu leisten“, meint Trommer. Gleichzeitig leiste Recycling einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz, denn durch den Einsatz von Sekundärrohstoffen würde wesentlich weniger CO2 emittiert als beim Einsatz von Primärrohstoffen.

Mit dem Aufbau einer funktionierenden Recyclingwirtschaft und einer klimaschonenden Industrieproduktion hat China noch einen weiten Weg vor sich. Doch eines hat es dabei vielen westlichen Ländern voraus: „Politische Ziele werden ernst genommen“, sagt Phyllis Cuttino, Klimaschutzexpertin bei Pew Environment. Während Politiker in den USA und in anderen Industrieländern viel Zeit damit verbringen, über Ziele bloß zu diskutieren und zu streiten, verzichte China auf lange Debatten. „Sie wissen, was sie wollen und sie tun es einfach.“ Die westlichen Industrienationen, warnt Cuttino, werden im Wettlauf um die Technologieführerschaft schnell ins Hintertreffen geraten, wenn sie weiterhin nur reden statt handeln. „Wer sagt, wir warten erst mal, bis sich die anderen bewegen, hat schon verloren.“

Weitere Informationen:
Chinesische Regierung forciert RecyclingKlimaschutz – nicht nur ein globales Thema


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