Entsorgungsmarkt Slowenien

Kampf gegen die Krise

Im Interview mit recyclingnews erklärt Mateja Mikec, Geschäftsführerin der INTERSEROH Sammlung und Verwertung von Altstoffen GmbH mit Sitz in Ljubljana, die Entwicklungen in der mitteleuropäischen Republik Slowenien.
Entsorgungsmarkt Slowenien

22.11.2011 – Mit seinen etwas mehr als zwei Millionen Einwohnern zählt Slowenien sicher nicht zu den Riesen. Wirtschaftlich schwer von der Finanzkrise getroffen, entspannt sich dort auch der Abfallmarkt nur schleppend: 2009 fielen die Sekundärrohstoffpreise drastisch, zwei Jahre später ist ein Aufwärtstrend zu erkennen, die Instabilität der Preise sorgt aber nach wie vor nicht für Entspannung. Im Interview mit recyclingnews erklärt Mateja Mikec, Geschäftsführerin der INTERSEROH Sammlung und Verwertung von Altstoffen GmbH mit Sitz in Ljubljana, die Entwicklungen in der mitteleuropäischen Republik Slowenien.

Frau Mikec, wie würden Sie die Lage des slowenischen Entsorgungsmarktes beurteilen?
Mateja Mikec: Das Entsorgungsgeschäft war 2010, trotz der unsicheren Lage auf dem Markt und der sehr langsamen wirtschaftlichen Erholung in Slowenien, äußerst erfolgreich. In den vergangenen Jahren haben wir darüber hinaus festgestellt, dass sich slowenische Unternehmen zunehmend bewusst sind, dass nachhaltiges Abfallmanagement für sie wichtig ist.

Gleichzeitig ändert sich das öffentliche Bewusstsein – Endnutzer und Gemeinden denken über die Bedeutung von geeigneten Methoden nach, Abfälle aus Haushalten fachgerecht zu entsorgen. Dies spiegelt sich beispielweise durch ein Verbot der Entsorgung von unbehandelten Siedlungsabfällen wider. Als Ergebnis dieser Trends nimmt die Menge der separat gesammelten Abfälle in Slowenien zu. Es muss allerdings noch viel in die Infrastruktur und die Bewusstseinsbildung der Öffentlichkeit investiert werden, um unsere Vorstellung eines wirklich nachhaltigen Abfallmanagements zu verwirklichen.

Sie sind mit Interseroh bereits seit 2005 auf dem slowenischen Entsorgungsmarkt tätig. Wie schätzen Sie den Erfolg Ihrer Arbeit ein?
Mateja Mikec:Wir befinden uns seit 2010 wieder im Aufwärtstrend. Nachdem wir in unseren Prozess- und Arbeitsmethoden einige Optimierungen vorgenommen haben, konnten wir damit unsere Erträge deutlich erhöhen. Außerdem haben wir Marktanteile hinzugewinnen können, indem wir bestehende Entsorgungsbereiche wie Verpackungsabfälle, Elektro- und Elektronik-Schrott durch die Einführung zweier neuer Segmente, Entsorgung von Grablichtern und Medikamenten, erfolgreich erweitert haben.

Wir bieten nationalen und internationalen Kunden in Slowenien ganzheitliche Systemdienstleistungen für die Entsorgung und Verwertung diverser Altstoffe an. Schwerpunkte unseres Leistungsspektrums sind die Verpackungsrücknahme und -verwertung, branchenbezogene Lösungen für die Bauwirtschaft, Konzepte für die Verwertung von Elektro-Altgeräten und Batterien sowie die bereits genannten Grabkerzen.

Ein wichtiges Stichwort ist sicherlich Innovation: Denn ohne diese wird es in keinem Unternehmen mittel- und langfristig kontinuierlich Rentabilität geben.
Interseroh bietet eben diese Innovationen bereits mit Produkten wie procyclen®, also Verpackungen aus 100 Prozent Recyclingmaterial, das beispielsweise als Farbeimer für einen großen europäischen Handelskonzern schon Marktreife erlangt hat. Ein weiteres Beispiel sind sicherlich unsere Mehrweg-Pooling-Lösungen, die wir für den größten deutschen Lebensmitteldiscounter erfolgreich aufgebaut haben – und auch in anderen Branchen etablieren wollen. Durch diese Innovationen möchten wir uns zum einen von den regulierten Märkten lösen, aber auch grundsätzlich den Schritt von der Abfallentsorgung zur Abfallvermeidung gehen.

Sie sind neben der Arbeit bei INTERSEROH Slowenien Geschäftsführerin von GIZ Skupne sheme, einer Interessengemeinschaft verschiedener privater Entsorgungsunternehmen. Wie ist die Vertretung entstanden und welche Themen stehen zurzeit auf der Agenda?
Mateja Mikec: Uns, also den privaten Marktteilnehmern, war klar: Wir müssen eine gemeinsame Interessensvertretung schaffen, um in der Öffentlichkeit und der Politik gehört zu werden. Derzeit analysieren wir die gesammelten und verarbeiteten Abfallmengen seit der Tätigkeitsaufnahme der Entsorgungsunternehmen. Außerdem möchten wir noch in diesem Jahr die Grundlagen für unsere Arbeit im Jahre 2012 festlegen. Wie wird die Arbeit mit der öffentlichen Hand verlaufen? Wie wird die Entwicklung weitergehen? Das sind Fragen, die uns beschäftigen.

Was sind Ihre zukünftigen Ziele?
Mateja Mikec:Ein grundsätzliches Unternehmensziel von uns ist es, das Bewusstsein für Recycling innerhalb der slowenischen Gesellschaft zu stärken. Das Potenzial ist auf jeden Fall da, wie unsere eigenen Zahlen zeigen: Seit unserer Gründung vor sieben Jahren haben wir den Umsatz von 0 auf 7,8 Millionen Euro ausbauen können. Diesen Trend wollen wir natürlich fortsetzen. Interseroh will als Abfalldienstleister die führende Position auf dem slowenischen Markt übernehmen. Wir haben gezeigt, dass wir als Teil der ALBA Group in einer stabilen internationalen Unternehmensgruppe agieren und kompetent und erfolgreich sind. Dementsprechend wollen wir unseren Marktanteil in Zukunft in allen Bereichen weiter ausbauen und unsere Kundendienst-Aktivitäten verstärken. Auch im Bereich der Cross Selling-Zusammenarbeit mit den Kollegen der ALBA Group in Deutschland und Österreich sehen wir große Potenziale, da Slowenien seit jeher ein wichtiger Wirtschaftspartner Österreichs ist und die Volkswirtschaften aller drei Länder eng verzahnt sind. Denn gerade für international operierende Unternehmen ist es doch ein Vorteil, in verschiedenen Märkten auf den gleichen, verlässlichen Dienstleister zurückgreifen zu können, der sich dennoch mit den jeweiligen Besonderheiten der Märkte auskennt.

Darüber hinaus besteht das Ziel, die Idee des „closed loop“, also des geschlossenen Kreislaufs, auch in der slowenischen Wirtschaft zu etablieren. Dazu können wir als ALBA Group durch unsere Aufstellung und unser Know-how einen nicht unerheblichen Teil beitragen.

Foto: nmcandre / Fotolia.com


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