Kompostierbare Verpackungen auch in Deutschland auf dem Vormarsch

Bio drin, Bio drum

Kompostierbare Verpackungen sind jetzt auch in Deutschland stark im Kommen: Seit Ende Mai 2005 sind sie in Deutschland privilegiert und unterliegen vorläufig nicht mehr dem Paragraphen sechs der Verpackungsverordnung.
Kompostierbare Verpackungen auch in Deutschland auf dem Vormarsch

01.07.2005 – Kompostierbare Verpackungen sind jetzt auch in Deutschland stark im Kommen: Seit Ende Mai 2005 sind sie in Deutschland privilegiert und unterliegen vorläufig nicht mehr dem Paragraphen sechs der Verpackungsverordnung.

Im europäischen Ausland ist die umweltfreundliche Verpackungsalternative schon lange kein Geheimtipp mehr. Zum Beispiel Italien oder die Schweiz: In den letzten Jahren sind dort kompostierbare Verpackungen mit Wachstumsraten von bis zu 50 Prozent zu einer festen Größe im Markt geworden. Das gleiche Bild seit zwei Jahren in Großbritannien. Und die Niederlande beriefen zur Festlegung einer nationalen Strategie einen „runden Tisch“ aller involvierten Interessengruppen ein.

Das Ergebnis: Mit dem Segen des Staatssekretärs im Umweltministerium werden in den Niederlanden seit 2004 kompostierbare Kunststoffprodukte und Verpackungen stufenweise eingeführt. Inzwischen ist dort die Biotonne für die Rücknahme aller zertifizierten Produkte zugelassen. Die Markteinführung wird zudem durch ein staatlich finanziertes Kommunikationsprojekt stark unterstützt. Deutschland hinkte in der letzten Zeit hinterher, obwohl man mit dem Modellprojekt in Kassel einmal ganz an der Spitze war. In der nordhessischen Metropole wurden die Bioverpackungen zwischen 2001 und 2003 im Stadtgebiet eingeführt.

Zweck des Pilotprojekts war es, die Sammlung der kompostierbaren Verpackungen über die Biotonne und die anschließende Kompostierung zu untersuchen. Es ergaben sich vielversprechende Ergebnisse: Während der Projektlaufzeit wurden – hauptsächlich dank der begleitenden öffentlichen Kommunikation – keine erhöhten Störstoffgehalte in den Biotonnen festgestellt und die im Kompostwerk von Göttingen erzeugten Komposte unterschieden sich hinsichtlich Qualität und Anwendbarkeit nicht von herkömmlichen Komposten. Die prinzipielle Frage der Erfassung kompostierbarer Verpackungen über die Biotonne wurde also positiv beantwortet. Und doch passierte in der Folgezeit im deutschen Markt wenig.

Die neuartigen Verpackungen waren wegen geringer Produktionsmengen teurer als ihre Pendants aus Erdöl und die im Vergleich zur Verwertung herkömmlicher Kunststoffverpackungen im gelben System erheblich kosteneffizientere organische Verwertung konnte wegen ungünstiger Regelungen im Entsorgungsrecht nicht genutzt werden. In intensiven Diskussionen mit den Länderund Bundesministerien entstand jedoch, weitgehend unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit, ein wichtiger Baustein zur Lösung: Im Rahmen der dritten Novelle zur Verpackungsverordnung ist seit dem 28. Mai 2005 eine Privilegierung für zertifizierte kompostierbare Verpackungen in Kraft.

Sie besagt, dass für solche Verpackungen die Anforderungen von Paragraph sechs bis Ende 2012 nicht gelten. Außerdem: „Die Hersteller und Vertreiber haben sicherzustellen, dass ein möglichst hoher Anteil der Verpackungen einer Verwertung zugeführt wird.“ Das Interesse an den neuartigen Verpackungen hat daraufhin bei potenziellen Anwendern wieder stark zugenommen. Bei Betrachtung der inzwischen veränderten Rahmenbedinungen – wie zum Beispiel den aufgrund hoher Ölpreise erheblich verteuerten Standardkunststoffen – und sinkenden Kosten für Biokunststoffe sind in den nächsten Jahren auch in Deutschland erhebliche Steigerungsraten für Biokunststoffe zu erwarten.

Die zunehmende Verwendung für Obst- und Gemüseverpackungen ist dafür nur ein erstes Zeichen. Seit diesem Sommer wird insbesondere Obst aus dem organischen Anbau bei mehreren Supermarktketten in der neuen Verpackung angeboten. Vor allem niederländische Abpacker wie zum Beispiel Eosta B.V. aus Waddinxveen bei Gouda sind hier besonders aktiv. Zunehmend profitieren aber auch deutsche Unternehmen von der Herstellung und Verarbeitung der Biokunststoffe und kompostierbaren Verpackungen. Namhafte Markenartikler beginnen mit der testweisen Einführung – sowohl im Lebensmittelbereich als auch im Non-Food-Bereich. Grund genug für Interseroh, gemeinsam mit 14 führenden Unternehmen der Biokunststoff-Branche einen Beirat „Bio-Kunststoffe und kompostierbare Verpackungen“ zu gründen. Zum Vorsitzenden des Beirats wählten die Unternehmensvertreter Patrick Gerritsen von der natura Verpackungs GmbH. Ziel der Arbeit des Beirats ist, die Markteinführung der innovativen Bioverpackungen optimal zu unterstützen. Die neuen Verpackungen werden anfänglich nicht explizit beworben – sehen für die Konsumenten also wie herkömmliche Kunststoffverpackungen aus und werden in der Praxis genauso entsorgt.

Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen rund um kompostierbare Verpackungen gibt auch die Internetseite http://www.kompostierbare-verpackungen.de


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