Einwegpfand auf Reisen

Von der Flasche zum Trikot

Gäbe es eine olympische Medaille für das Sammeln von Wertstoffen, wäre Deutschland das Gold nicht mehr zu nehmen: Besonders auf dem Gebiet der Pfandflaschen scheint dem Sammeltrieb der Bundesbürger keine Grenze gesetzt zu sein. Und so pilgern täglich viele Millionen an die Pfandautomaten der Republik und schauen ihren Flaschen nach, wie sie in der dunklen Röhre verschwinden. Doch was passiert eigentlich, nachdem die Flaschen den Zählautomaten passiert haben? Recyclingnews auf Spurensuche.
Einwegpfand auf Reisen

16.08.2012 – Gäbe es eine olympische Medaille für das Sammeln von Wertstoffen, wäre Deutschland das Gold nicht mehr zu nehmen: Besonders auf dem Gebiet der Pfandflaschen scheint dem Sammeltrieb der Bundesbürger keine Grenze gesetzt zu sein. Und so pilgern täglich viele Millionen an die Pfandautomaten der Republik und schauen ihren Flaschen nach, wie sie in der dunklen Röhre verschwinden. Doch was passiert eigentlich, nachdem die Flaschen den Zählautomaten passiert haben? Recyclingnews auf Spurensuche.

Getreu dem Leitspruch „es gibt ein Licht am Ende des Tunnels“ fahren die Pfandflaschen in vielen Supermärkten oder Discountern, nachdem sie gescannt wurden und der Kunde seinen Pfandbon erhalten hat, auf der anderen Seite der Automaten wieder heraus. Die Mehrwegflaschen gehen zurück zum abfüllenden Unternehmen und von dort aus gereinigt und neu befüllt wieder in den Handel. Einwegflaschen und -dosen haben dagegen ein anderes Schicksal. Genau genommen zwei verschiedene, je nachdem, was für ein Pfandautomat im zurücknehmenden Ladengeschäft vorhanden ist.

Einige Discounter arbeiten mit Automaten, die die Flaschen und Dosen direkt vor Ort registrieren und zu so genanntem „kompaktierten Material“ pressen. Damit werden die Pfandgebinde sofort entwertet. Eine weitere Nutzung oder gar der Missbrauch sind so nicht mehr möglich. Das gepresste Material wird dann in großen Säcken gesammelt zu Ballen verpresst und geht anschließend ins Recycling.

Bei anderen Automaten bleiben die Flaschen und Dosen dagegen ganz. Hinter den Kulissen der Supermarkt-Laufband-Automaten verpacken Mitarbeiter sie in Säcke und versehen sie mit einem Schild, das einen Barcode trägt. Diese Schilder, auch Talons genannt, haben im Verlauf der Reise noch eine wichtige Funktion.

Nun startet der Weg der Einwegflaschen und -dosen, die in großen LKW, Trailern oder Containern vom Supermarkt oder Discounter losgeschickt werden. Auch hier lautet das Ziel: Pfandzählzentrum. So wie das in Oberhausen, wo die REPASACK GmbH für die Interseroh Pfand-System GmbH, beides Unternehmen der ALBA Group, eines der bundesweit zehn vollautomatischen ALBA Group-Pfandzählzentren betreibt.

Jede Flasche zählt

Im Pfandzählzentrum laden Mitarbeiter die Säcke aus und nehmen sie bereits am Empfang mit einem Barcode-Scanner auf. Hierfür sind die Talons mit ihrer individuellen Nummer gefragt: Dank ihnen kann jeder Sack einem bestimmten Kunden zugeordnet werden und ein Verlust des Pfandwertes ist unmöglich.

Nach dem Empfang geht es auf dem Laufband weiter. Hier werden die Säcke ausgeleert – nachdem sie vor der Verarbeitung nochmals einen „Scan“ durchlaufen haben. Nun zählen jede Flasche und jede Dose: Ein aufwändiges Erkennungsverfahren unterscheidet zwischen Aluminium- oder Weißblech-Dosen und PET-Flaschen. Die Maschine sortiert sodann computergesteuert via Druckluft die einzelnen Behälter, je nach Material, aus. Die durch Scan und Erkennungsverfahren erfassten Daten gehen sofort an einen Zentralrechner in Köln und werden dort weiter verarbeitet.

Warum aber dieser Aufwand? Kunden können ihre Pfandflaschen bei einem Anbieter kaufen aber bei einem anderen Anbieter abgeben. Diese müssen nun also teilweise Pfand für Behälter bezahlen, die sie gar nicht verkauft haben. Damit alle Markteilnehmer zu gleichen Bedingungen im Markt agieren können, wurde eine so genannte Clearingstelle gegründet: die DPG Deutsche Pfandsystem GmbH. Sie ist das Zentralorgan der Pfandrückgaben und kontrolliert alle Pfandströme in ganz Deutschland. So wird letztendlich sichergestellt, dass beispielweise der Supermarkt, der Pfand für ein Behältnis ausgezahlt hat, es von der Stelle zurückbekommt, an der der Kunde das Pfand bezahlt hat.

Zurück in Oberhausen werden alle Behälter nach Material sortiert, entwertet und gepresst. „Bereits seit dem Jahr 2006 fährt die ALBA Group im Doppelschicht-Betrieb die Anlage und schafft so rund 5.000 Gebinde pro Stunde pro Laufband“, sagt Uwe Lauf, Betriebsleiter des Oberhausener Standortes. Und er kann mit Erfahrungswerten arbeiten: „Kaum kommen die ersten Sonnenstrahlen raus, können wir damit rechnen, dass zwei Wochen später eine Menge mehr Pfandflaschen reinkommen.“ Ähnlich sei es bei Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft oder anderen Events: Zwei Wochen – so lange brauchen die Pfandbehälter bis sie das Zählzentrum erreicht haben.

Die Arbeit verläuft unter strengsten Auflagen und den Sicherheitsstandards der DPG Deutschen Pfandsystem GmbH: Schließlich geht es um echte Werte. Jede Flasche ist 25 Cent wert – ein ganzer Sack bis zu einhundert Euro. Daher wird Sicherheit großgeschrieben: Der Standort ist rund um die Uhr videoüberwacht und unterzieht sich jedes Jahr einer Zertifizierung.

In Oberhausen finden die Einwegflaschen und -dosen das Ende ihres Behälterdaseins: Uwe Lauf und seine elf Mitarbeiter sorgen mit ihrer Presse für das erste große Etappenziel: Heraus kommen handliche Blöcke aus Aluminium, Weißblech oder Kunststoff, die nun als Sekundärrohstoffe weiterverkauft werden – und somit den Grundstoff für neue Produkte bilden: Besonders gefragt ist das Ausgangsmaterial Kunststoff in der Mode- und Sportbranche, denn sämtliche synthetischen Stoffe, aus denen zum Beispiel Trikots und Laufshirts gefertigt werden, bestehen aus recycelten PET-Flaschen. So lassen sich mit den Pfandflaschen ebenfalls wieder Goldmedaillen gewinnen – und zwar nicht nur im Sammeln!


Artikel drucken Artikel drucken